Donnerstag, 30. April 2009

Mir fahret jetz na Auschtralie

So sieht es aus, die Zeit in Neuseeland ist nun ersteinmal vorbei.
Nach der einmaligen Gletscherwanderung brachte uns die treue Kiwi-Experience weiter nach Süden, dem Hauptziel aller jungen, abenteuerlustigen und vor allem coolen Menschen entgegen. Fast scheint die ganze Reise nur unter der Spannung und Vorfreude durchlebt worden zu sein, endlich, endlich an diesem aufregensten aller Orte anzukommen, dem Pilgerziel all derer, die etwas von sich halten, oder doch zumindest diesen Eindruck vermitteln wollen, die der Welt ihren Mut beweisen wollen, zeigen wollen, daß sie vor nichts zurückschrecken, keine Angst kennen. Denn wer wäre man denn, wenn man später einmal sagen müsste, man wäre in Neuseeland gewesen und hätte “es” nicht getan?
Willkommen in Queenstown, der Geburtsstadt des Bungy-Juming!
Und so ließ sich natürlich auch unsere geliebte Busgesellschaft diesen Höhepunkt der Neuseelandreise der meisten Reisenden nicht entgehen und brachte den Bus mit jedem Kilometer, den wir der legendären Stadt näher kamen, näher kamen. Stadt? Nagut, so an die 10.000 Einwohner hat es ja dann doch schon; die leben wahrscheinlich alle vom Tourismus... von der Gummiherstellung, über die Seilfabrik und die Statistik der seltsamsten Absprungflächen, bis hin zum Seil- an- die- Leute- knoten, will ja alles gut versorgt sein. Außerdem war natürlich noch eine große Partynacht geplant und wir hatten den einmaligen Vorteil, vor der eigentlichen Einfahrt in Queenstown noch am AJ Hackett-Center (AJ Hackett war derjenige, der den ganzen Trubel ins Leben gerufen hat und das Bungy- Jumping kommerzialisiert hat. Seither zahlen nun täglich 100te von Menschen zwischen 120- 260 NZ$, was etwa 50- 120 € entspricht, nur um einmal von irgendwelchen Brücken, Türmen, Gondeln... springen zu dürfen) vorbei gefahren zu werden, wo uns ganz für umsonst ein kleines Video gezeigt wurde, über die Entstehung dieses legendären Sports der Angstüberwindung. Und um ein wunderbares Beispiel des Einflussreichtums solcher Werbespots zu präsentieren: vor Beginn der Show hoben etwa 15 die Hand auf die Frage, wer denn springen wolle. Danach hatten wir etwa 30, die begeistert mit ihren Tickets herumliefen und vor Aufregung gar nicht wußten, wohin mit sich. Und auch ich muß sagen, kann endlich nachvollziehen, was das Faszinierende daran sein kann, an diesem Sprung ins Nichts, ins Ungewisse, an dieser Sehnsucht nach dem Fall...aber zum Ticketkauf hat es dann doch nicht gereicht.
Angst?
Ja!
Angst davor, irgendwo in Russland stecken zu bleiben, weil das Geld nicht mehr reicht!

Nachdem wir wieder erfolgreich dem letzten Trubel der frohen Reisegesellschaft ausgewichen waren, so hatte die Zeit in Queenstown einen ganz besonders schönen Höhepunkt auch für uns zu bieten.
Wieder einmal liehen wir uns für einen Tag ein Auto. Diesmal zu fünft, denn es hatten sich uns im Laufe der vorrangegangenen Tage drei sehr nette Menschen hinzugesellt. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zu den Milford Sounds, die ganz und gar zurecht als einer der schönsten Orte ganz Neuseelands angesehen werden. Auch schon der Weg dorthin war voll wunderschöner Aussichten und kleiner Spaziergänge, daß wir gerade noch die letzte Bootstour entlang der Fjorde, der steilen Felswände und riesigen Wasserfälle miterleben konnten. Und dafür, daß dies als der verregnetste Ort Neuseelands angesehen wird (man könnte fast glauben, Schönheit und Regen hängen in Neuseeland irgendwie zusammen), hatten wir dann doch noch einen erstaunlich sonnigen Tag. Wahrscheinlich der einzige im Jahr, aber irgendwie war es trotzdem schön.
Abends noch ein gemütliches Abschiedsessen mit den neugewonnenen Freunden, deren Wege sich schon am nächsten Morgen von dem Unseren trennten und dann war es auch schon Zeit sich daran zu gewöhnen, daß der Aufenthalt in diesem vielseitigen, wunderbaren, wenn auch irgendwie überhaupt nicht verregneten Land sich dem Ende entgegen neigte.
Die letzte Busfahrt brachte uns nach Christchurch, wo wir in Ruhe mit den drei verbleibenden Tagen diesen Reiseabschnitt ausklingen ließen. Ein wenig in den Läden der kleinen Stadt herumstöbern, ein paar kleine Andenken erwerben, ein wenig das eigene Tempo wiederfinden und genießen, endlich mal wieder ins Kino gehen, ein wenig mit den „Locals“ in Kontakt kommen (was sich als alles andere als schwierig herausstellte, denn fragt man auch nur nach dem Weg zum Supermarkt, bekommt man gleich noch ein paar nette Cafes und Straßenecken gezeigt), ein wenig auf der Gitarre eines Zimmergenossen rumklimpern und sich solche Dinge wie „nothing else matters“ beibringen lassen, einen abgewetzten „lonely planet“ weiterverkaufen und bei all dem ganz schön traurig und wehmütig werden. Denn auch ich gehöre wohl zu den Menschen, die sich schnell an schönen Orten zu Hause fühlen lernen, die Regelmäßigkeit und eine vertraute Umgebung zu schätzen wissen und die von all dem, was sie für sich eingenommen haben, nur ungern so endgültigen Abschied nehmen.
In diesem letzten Hostel trafen wir dann auch auf die sehr junge, sehr schwäbische Dame, die uns fragte, wohin wir denn als nächstes reisen wollten und auf unsere Antwort sehr enthusiastisch weiderholte „Auschtralie?“ und mich damit zum Titel des heutigen Eintrags ermutigte.

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