In Harhorum erinnert nichts mehr an die alte Bedeutung einer Hauptstadt. Holprige Lehmwege führten durch Pfützen und Schlaglöcher, vorbei an brüchigen Lattenzäunen, ohne irgendwelchen Beschriftung, oder Nummerierungen. Dahinter manchmal kleine, schiefe Holzhütten, häufiger aber die traditionellen Jurten. Aus solchen bestand dann auch unsere Bleibe für die kommenden drei Tage. Wortlos, aber freundlich wurden wir empangen und zu unseren Betten geführt, uns Tee gebracht und ein paar Stunden später der Holzofen angefeuert. Draußen vor den Jurten spielten ausgelassen drei kleine, muntere Mädchen, die einen fröhlichen Freudentanz zu unserer Begrüßung aufführten und uns immer wieder lachend umringten, sobald wir den Kopf aus der kleinen Tür heraussteckten.
Später bekamen wir ein leckeres Abendessen vorgesetzt, aber noch immer keine Aufklärung, warum niemand mit uns sprechen wollte. Uns war gesagt worden, daß die Familie hier gut Englisch sprechen würde und eine Email aus Peking hatte unsere Ankunft dem Herbergsvater eigentlich angekündigt. Von dem aber war nichts zu sehen und die beste Unterhaltung fand mit einem wunderbaren, etwa 10 jährigen Jungen statt: Hello, how are you, whats your name, der Rest fand in Zeichensprache statt.
Der nächste Morgen empfing uns nach einer eisig kalten Nacht mit einem warmen Ofen und einem leckeren Frühstück, aber noch immer keiner Erklärung, nur sich immer dringender anhäufenden Fragen unsererseits, die mit einem entschuldigendem, schlichten Kopfschütteln immer wieder im Sand verliefen.
Um den Tag nicht wartend zu vertun, machten wir uns auf, die Umgebung zu erkunden.
Es gibt nichts schöneres, als bei strahlendem Sonnenschein, die unendlichen Weiten der grünen, mongolischen Steppe vor sich zu sehen und die Richtung jedes Schrittes frei entscheiden zu können. Nirgendwo steht ein Haus, oder ein Zaun im Weg herum, der die Möglichkeiten einschränken könnte. Und so liefen wir stundenlang querfeldein, über Hügel und Wiesen und ich konnte den tiefen Drang nach absoluter Bewegungsfreiheit der Nomaden gut nachempfinden.
Die einzigen Lebewesen, denen wir begegneten, waren fünf Wildpferde, die friedlich auf einer Wiede grasten und ein junges Mädchen, das vom Beerenpflücken zurückkam und uns überholte. Sie war schnell heran gekommen, verlangsamte ihren Schritt aber, sobald sie an uns vorbei war, so daß wir ihr bald wieder begegneten. Als wir herankamen, begann sie in ihrer Plastiktüte zu suchen und brachte einige, gut ausgewählte, winzige Walderdbeeren zutage, die sie uns entgegen hielt. Wir nahmen sie an, dankten umfangreich und kramten nun unsererseits ein paar Schokolinsen heraus, die wir vorsorglich für solche Momente im Supermarkt gekauft hatten. Wortlos nahm sie sie entgegen und verschwand dann winkend Richtung Stadt. Bis auch wir den Weg zurückfanden, begann es bereits dunkel zu werden und strömender Regen, sorgte auf den letzten Metern dafür, daß wir komplett durchnässt in unserer Jurte ankamen.
Noch immer fand sich niemand, der mit uns reden wollte und wir begannen bereits ernsthaft zu überlegen, womit wir in diesem kleinen Ort noch einen weiteren Tag verbringen könnten, als Franziska wieder wortlos ein Telefon in die Hand gedrückt wurde.
Auch diesmal war es wohl irgendeine Schwester von irgendwem, die ein wenig Englisch verstand und uns fragte, ob wir am nächsten Tag nicht Lust hätten eine Tagestour zu machen. Sie würde uns einen Fahrer organisieren, der uns zu einem Kloster und einem Wasserfall bringen würde. Reiten könnten wir auch und es sei alles inklusive. Zahlen würden wir sofort und der Fahrer würde uns dann am nächsten Morgen um acht vor Ort abholen. Englisch spräche er leider nicht.
Klang gut! Also zahlten wir und hofften, unser naiver Optimismus würde uns weiterhin nichts als gute Erfahrungen bringen.
Am nächsten Morgen stand tatsächlich ein Fahrer vor der Tür, der auch tatsächlich kein Wort Englisch verstand. Wir fuhren einige Stunden über Felder und Wiesen, vorbei an Hammel-, Schafs- und Pferdeherden, hielten am frühen Mittag auf einen Milchsnack irgendwo an einer Jurte, bekamen Airag, undefinierbaren, salzigen Hartkäse, mongolischen Wodka und auch eine Tasse ganz normaler, heißer Milch zu probieren. In der Jurte lag ein frisch geschlachtetes Schaf, daneben saßen Kinder und aßen ihren Frühstücksbrei, der bereits überall im Gesicht verteilt war, ihre Beine baumelten über dem Trockenfleisch. Und wir mittendrin, unsicher wieviel zu nehmen nötig war, um nich unhöflich zu erscheinen und gleichzeitig fürchtend, das könnte bereits das versprochene Mittagessen sein.
Von dort aus ging es weiter über steinige Wege und matschige Sümpfe, aus denen wir hin und wieder das Auto herausschieben mussten, um weiter zu kommen, bis wir in irgendeinem Nationalpark ankamen. Dort setzte man uns ohne Erklärung auf zwei Pferde und ignorierte unsere Einwände, daß wir da nicht so wirklich routiniert mit umgehen könnten. Die armen, kleinen Tiere kämpften sich aber brav und mühsam den Berg hinauf, ohne unterwegs auf die Idee zu kommen, Balast abzuwerfen.
Oben auf dem Berg, ans Felsgestein geschmiegt, tauchte ein winziges, farbenfrohes buddhistisches Kloster auf, das auf grüne Hügelketten herabschaute, die in unendlicher Ferne mit dem Dunst des Horizontes verschmolzen. Ich hätte stundenlang dort stehen mögen, mir den Wind um die Ohren brausen lassen und dabei die Zeit vergessen.
Zurück am Fuße des Berges gab es dann glücklicherweise noch ein richtiges Mittagessen: Aus Pfannenkuchenteig geschnittene Nudeln mit Hammelfleisch. Davon kann ich schon eher satt werden!
Die Fahrt ging weiter. Durch wunderschöne Landschaften, Berge, Flüsse, Wiesen, wanden sich zahlreiche Wege, alle etwas in der Gegend verstreut, von denen sich der Fahrer je nach Lust und Wetterlaune die Beste aussuchen konnte, was nicht selten dazu führte, das es oft mehr hin und her, als wirklich vorwärts ging. Trotz allem kamen wir am frühen Abend an dem versprochenen Wasserfall an und genossen die kühle, klare Abendluft und die Spiegelungen des Sonnenuntergangs auf dem Wasser.
Von dort aus war es nun nicht mehr weit zurück nach Hause und hätte sich der Fahrer in der zunhemenden Dunkelheit nicht hemmungslos verfahren, wären wir wohl recht bald wieder wohl behalten angekommen.
So aber verbrachten wir die Nacht auf der Suche nach dem richtigen Weg, der in der kompletten Dunkelheit der mongolischen Steppe und der hoffnungslos überall verstreuten Straßen unmöglich zu finden war. Zwischen ungeduldigen Fahrtstrecken, die uns alle Stunde wieder aus dem mühsam gefundenen Schlaf in die frostig kalte Realität zurück schüttelte, lagen wir gequetscht zu dritt unter einem Schlafsack auf der Rückbank und auch wenn mich die mittlere Position so fest einkeilte, daß ich mich nicht rühren konnte, so war ich doch dankbar für die beidseitige, körperliche Wärme.
Aber wie jede Nacht, fand auch diese ein Ende und nach einer letzten Erholungspause unter der aufgehenden Sonne, war es für den Fahrer ein Leichtes sich zu orientieren und uns in weniger als einer halben Stunde nach Harhorum zurück zu bringen. Warum er das Missgeschick nicht hat akzepieren können und an einer der zahlreichen Jurten hat anhalten können, von denen uns jede freundlich aufgenommen hätte, hat er uns nicht verraten und so wirklich fragen konnten wir ihn mit unseren umfangreichen mongolischen Sprachkenntnissen auch nicht.
Kaum aber waren wir zurück, wurden wir freundlich und besorgt empfangen, der Schornstein unserer Jurte schmauchte schon gemütlich vor sich hin und wir wurden wärmstens mit Tee und heißer Suppe umsorgt. Die richtige Herbergsmutter war am Vorabend wiedergekommen, sie war auch diejenige, die am Vorabend am Telefon gewesen war und uns die Tour organisiert hatte. Sie entschuldigte sich nun wortreich für dieses Missgeschick und, was viel schöner war, wir konnten endlich wieder reden.
Der letzte Tag verging weitgehend mit dem Nachholen des Schlafes, dem Spielen mit den noch immer tanzenden und immer lachenden Kindern und einem kleinen Spaziergang mit der Herbergsmutter zum Marktplatz, bei dem wir endlich unsere vielen angesammelten Fragen loswerden konnten und so am Ende doch noch einen recht guten Einblick in die mongolische Lebensweise bekamen.
Weil für den Rückweg die Plätze im Bus bereits vergeben waren, mußten wir mit einem der zahlreichen Minibusse Vorlieb nehmen. Und weil die Anfrage derzeit so hoch ist, blieb den Insassen des Minibusses auch nichts anderes übrig, als es willenlos über sich ergehen zu lassen, daß der Fahrer all seine Stapelkünste anwandte und in den Bus, der für maximal 12 Personen zugelassen ist, doch immerhin 19 Leute samt nicht zu verachtendem Gepäck unterbrachte. Und während mir in regelmäßigen Abständen eine pinke Plastikwanne auf den Kopf fiel und wir alle bei jedem Schlagloch von unseren Sitzen auf den des Nachbars geschleudert wurden, näherten wir uns wieder der heutigen Hauptstadt.
Dort folgte noch ein Abend und ein ganzer Tag mit Begegnungen netter Menschen, einem letzten mongolischen Stadtbummel durch eine Stadt, die es nicht ganz schaffte, mein Herz zu gewinnen, da ich mich immer ein wenig unsicher, beobachtet und sehr fremd fühlte, und einem krönenden Abschluß mit einer Tanz- und Musikvorstellung im Nationaltheater, bevor wir bei hereinbrechender Dunkelheit wieder in den Zug stiegen, um uns erneut weitertragen zu lassen, viel zu früh aus den wunderschönen leeren Weiten, einer wieder komplett neuen Kultur entgegen.
Samstag, 22. August 2009
14. August: Der Einsamkeit entgegen
Gegen Mittag rollte der Zug unter der angenehm trockenen, mongolischen Sonne in Ulaan- Baatar ein. Ich hatte mich mittlerweile schon so sehr an die warme, kuschelige Masse der immer presenten, Chinesen gewöhnt, dass ich mich in der überschaubaren Anzahl Wartender am Bahnhof fast ein wenig einsam fühlte.
Im Minibus der Gasthauses allerdings wurde es wieder vertrauter und wir fuhren eng aneinander gedrückt über holprige Straßen zu unserem Ziel im Stadtzentrum. Hier schien es noch weniger Verkehrsregeln zu geben, als in China und mit der gleichen Willkür, mit der die Lenkräder der Autos mal rechts und mal links angeordnet waren, wurden wir von allen Seiten überholt und eingekeilt, während sich unser Fahrer geduldig den Weg durch die Baustellen suchte.
Im Gasthaus selbst herrschte das gleiche Chaos, wie auf der Straße über die Frage der Belegung der Betten und Verteilung auf Freunde und Bekannte in der Nachbarschaft, welche mit der gleichen Gelassenheit ausgehalten und gelöst wurde, denn am Bahnhof waren ersteinmal alle eingesammelt und mitgenommen wurden, die so aussahen, als könnten sie Hilfe brauchen. Über Taschen und Schuhe hinweg wurde zwischendurch Tee ausgeteilt und irgendwie fühlte ich mich, als wäre ich nach langer Zeit bei guten Freunden zu Besuch.
Die Stadt selbt ist eine Mischung aus chinesischem Verkehrs und Baustellenchaos, der Flimmerreklame und kleinen Lädchen und der sozialistischen Plattenbauordnung, die mir aus einem früheren Russlandaufenthalt noch in Erinnerung war. Und zwischendrin, hinter wackeligen Holzzäunen, schauten überall die weißen Jurten hervor und verwandelten Teile der Stadt in einen ewigen Zeltplatz. Die Gesichter der Mongolen waren zwar sehr asiatisch, aber herber und markanter, als die der Chinesen und ich fühlte mich endlich nicht mehr ganz so riesig unter ihnen.
Bereits am nächsten Morgen verließen wir die Stadt wieder, um uns nach Harhorum aufzumachen, der alten Hauptstadt der Mongolei. Acht Stunden Busfahrt mal auf der geteerten Straße, häufiger aber auf holprigen Feldwegen daneben, weil die eigentliche Straße noch im Bau war. Erst auf der Rückfahrt erkannten wir, welcher Luxus es war, einen ganzen Sitzplatz für sich allein zu haben.
Der Bus war bis auf den letzten Platz ausgefüllt, überall zwischen, hinter und unter den Bänken stapelte sich das Gepäck und unzählige gelbe Plastikcontainer, in denen eine hochexplosive Flüssigkeit transportiert wurde: Airag, ein, wie ich finde, scheußliches Getränk aus gegorener Milch, was von den Mongolen allerdings heiß geliebt ist und somit als Souvenir, oder auch für den Eigenbedarf überall hin mitgenommen wird. So wurde jeder für sich durchgeschüttelt und auch wenn wir sicher noch immer sehr exotisch auf die hiesigen Menschen wirken mussten, so wurden wir doch weitgehend hingenommen, oder ignoriert. Und so war es dann schon etwas verwunderlich, als wir plötzlich angesprochen wurden, mit der Frage, woher wir kommen würden. Nach unserer Antwort allerdings, schien der Fragende bereits zufrieden zu sein und lehnte sich wieder zu einem Telefongespräch zurück, bis er drei Minuten später Franziska ohne weitere Erklärung sein Telefon in die Hand drückte. Es war seine Schwester, die ein wenig Englisch sprach und uns in ihre Jurte einlud. Da wir aber hofften, eine dreitägige Tour durchs Landesinnere mit dem Inhaber eines Gasthauses machen zu können, das uns von einem Bekannten in Peking empfohlen worden war, lehnten wir die Einladung dankend ab.
Im Minibus der Gasthauses allerdings wurde es wieder vertrauter und wir fuhren eng aneinander gedrückt über holprige Straßen zu unserem Ziel im Stadtzentrum. Hier schien es noch weniger Verkehrsregeln zu geben, als in China und mit der gleichen Willkür, mit der die Lenkräder der Autos mal rechts und mal links angeordnet waren, wurden wir von allen Seiten überholt und eingekeilt, während sich unser Fahrer geduldig den Weg durch die Baustellen suchte.
Im Gasthaus selbst herrschte das gleiche Chaos, wie auf der Straße über die Frage der Belegung der Betten und Verteilung auf Freunde und Bekannte in der Nachbarschaft, welche mit der gleichen Gelassenheit ausgehalten und gelöst wurde, denn am Bahnhof waren ersteinmal alle eingesammelt und mitgenommen wurden, die so aussahen, als könnten sie Hilfe brauchen. Über Taschen und Schuhe hinweg wurde zwischendurch Tee ausgeteilt und irgendwie fühlte ich mich, als wäre ich nach langer Zeit bei guten Freunden zu Besuch.
Die Stadt selbt ist eine Mischung aus chinesischem Verkehrs und Baustellenchaos, der Flimmerreklame und kleinen Lädchen und der sozialistischen Plattenbauordnung, die mir aus einem früheren Russlandaufenthalt noch in Erinnerung war. Und zwischendrin, hinter wackeligen Holzzäunen, schauten überall die weißen Jurten hervor und verwandelten Teile der Stadt in einen ewigen Zeltplatz. Die Gesichter der Mongolen waren zwar sehr asiatisch, aber herber und markanter, als die der Chinesen und ich fühlte mich endlich nicht mehr ganz so riesig unter ihnen.
Bereits am nächsten Morgen verließen wir die Stadt wieder, um uns nach Harhorum aufzumachen, der alten Hauptstadt der Mongolei. Acht Stunden Busfahrt mal auf der geteerten Straße, häufiger aber auf holprigen Feldwegen daneben, weil die eigentliche Straße noch im Bau war. Erst auf der Rückfahrt erkannten wir, welcher Luxus es war, einen ganzen Sitzplatz für sich allein zu haben.
Der Bus war bis auf den letzten Platz ausgefüllt, überall zwischen, hinter und unter den Bänken stapelte sich das Gepäck und unzählige gelbe Plastikcontainer, in denen eine hochexplosive Flüssigkeit transportiert wurde: Airag, ein, wie ich finde, scheußliches Getränk aus gegorener Milch, was von den Mongolen allerdings heiß geliebt ist und somit als Souvenir, oder auch für den Eigenbedarf überall hin mitgenommen wird. So wurde jeder für sich durchgeschüttelt und auch wenn wir sicher noch immer sehr exotisch auf die hiesigen Menschen wirken mussten, so wurden wir doch weitgehend hingenommen, oder ignoriert. Und so war es dann schon etwas verwunderlich, als wir plötzlich angesprochen wurden, mit der Frage, woher wir kommen würden. Nach unserer Antwort allerdings, schien der Fragende bereits zufrieden zu sein und lehnte sich wieder zu einem Telefongespräch zurück, bis er drei Minuten später Franziska ohne weitere Erklärung sein Telefon in die Hand drückte. Es war seine Schwester, die ein wenig Englisch sprach und uns in ihre Jurte einlud. Da wir aber hofften, eine dreitägige Tour durchs Landesinnere mit dem Inhaber eines Gasthauses machen zu können, das uns von einem Bekannten in Peking empfohlen worden war, lehnten wir die Einladung dankend ab.
12. August: Pekingente
Da jeder Tempeleintritt und jede Bergbesteigung extra zu bezahlen war, verließen wir die hoffnungslos überteuerten, heiligen Berge bereits am zweiten Tag wieder und machten uns bei strahlendem Sonnenschein auf nach Peking, unserem letzten Ziel in China. Nach zwei Stunden Busfahrt durch winzige Bergdörfer und klargrün leuchtende Berglandschaft stiegen wir gespannt in den einzigen Zug des Tages und waren anfänglich von der sehr günstigen “Hardseater”-Klasse noch recht positiv begeistert. Immerhin, wir hatten einen Platz zum Sitzen, das Gepäck war verstaut und auch wenn das Fenster nicht zu öffnen ging, so blies doch ein kleiner, rotierender Ventilator hin und wieder halbwegs frische Luft in unsere Richtung. Je näher wir allerdings der großen Stadt kamen, desto voller wurden die Abteile und da wir den 400 km Zugfahrt nicht wirklich mehr als 5 Stunden eingeräumt hatten, knurrten unsere Mägen bald im Takt zum Tuckern des Zuges, als wir endlich, nach zehnstündiger Fahrt mit Halt auf allen Unterwegsbahnhöfen, eingequetscht zwischen weiteren drei bis vier Chinesen auf jeder Bank in Peking einfuhren.
Ohne Reservierung und Ahnung, wo wir die Nacht verbringen sollten, standen wir ein wenig hilflos Vom Zug endlich ausgespuckt auf dem Gleis herum, bis sich wieder einmal ein netter, junger Mann, mit guten Englischkenntnissen unser annahm und für uns in den verschiedenen Hostels anrief, bis er eines mit freien Betten fand und dann auch noch geduldig mit den Taxifahrern diskutierte, daß sie uns bitte dahinfahren sollten. Es ist manchmal sehr erstaunlich, aber immer wieder ein wunderbares Erlebnis: Es geht immer irgendwie weiter. Das Leben lässt einen nicht einfach auf dem Abstellgleis stehen.
Auf dem Abstellgleis stehe ich jetzt und während die Wagen des Zuges alle einzeln angehoben werden, um sie mit neuen Rädern für die schmaleren Gleise der Mongolei auszurüsten, sitze ich im gemütlichen Abteil der Transsibirischen und will versuchen die Erlebnisse der ausgefüllten, vergangenen Woche in der Chinesischen Hauptstadt in Worte zu fassen.
Am ersten Tag durchstreiften wir ahnungslos die riesige Stadt auf der Suche nach den offenkundigsten Sehenswürdigkeiten, wie dem Tianmenplatz und der Verbotenen Stadt. Die Weitläufigkeit und Größe in der die Stadt angelegt ist, ist überwältigend. Dennoch haben die Unmengen Bewohner der Stadt keine Schwierigkeiten auch diese Flächen auszufüllen und die Kinder, glücklich über den unerwarteten Auslauf, springen munter zwischen den Menschenmassen herum, die sich auf dem Platz tummeln. Schnell waren unsere Füße erschöpft und trugen uns müde zum nächsten Pekingentenrestaurant, wo wir zu horrenden Preisen unsere erste Pekingente verdrückten.
Ähnlich schnell vergingen die weiteren Tage. Die weiten Strecken, die auf der Karte so unscheinbar und leicht bewältigbar wirken wurden des öfteren zu ausgedehnten Spaziergängen zu, oder von den U-Bahnstationen.
Mit tausenden von anderen Menschen zwängten wir uns durch die Tore der Verbotenen Sadt, wurden vom Regen überrascht und verschwanden augenblicklich unter einem Meer von Schirmen.
Noch schlimmer war der Sommerpalast, da wie damals auch der Kaiser, mindestens eine halbe Millionen Chinesen Ruhe und Entspannung in den grünen Gärten und Seen um die verspielte Sommerresidenz suchten. Was sie fanden weiß ich nicht. Ich fand heraus, daß es sich nicht immer lohnt, eine Liste der bekanntesten Sehenswürdigkeiten abzuklappern und war froh, daß wir den Park recht bald wieder verließen, um dem viel spannenderen Abenteuer zu folgen uns einfach mal aus Spaß an der Freude in den nächsten Bus zu setzen, der kommt und sehr schnell festzustellen, daß er uns geradewegs aus der Stadt hinaus und in die weit abgelegenen Vororte führt, weshalb wir dann doch recht bald wieder umkehrten.
So verbrachten wir am Ende doch die meiste Zeit damit, durch irgendwelche Gassen zu schlendern, uns von winkenden Kindern anlachen zu lassen, an winzigen Straßenständen nach Obst und SD-Karten zu stöbern, oder im Park den unterschiedlichsten Freizeitbeschäftigungen der Einheimischen zu zu schauen oder zu lauschen. Da wurden ganz selbstverständlich Chorproben und Sologesangsübungen im Freien abgehalten, die seltsamsten Instrumente ausgepackt, oder auch einfach nur Tai chi gemacht oder Karten gespielt.
Viele der Straßen waren erstaunlich sauber und neu, die breiteren Straßen waren überhäuft mit Souvenirgeschäften, oder westlichen Klamottenläden und es war fast schwer, ein paar übrig gebliebene, authentisch alte, heruntergekommene Ecken zu finden.
Aber wir waren erfolgreich, wurden aufs freundlichste aufgenommen und waren bald in unserem Stammlokal als gute Freunde herzlichst willkommen und bekamen die seltsamsten Gerichte gratis hinzu, wenn wir eigentlich nur eine Kleinigkeit trinken wollten.
Ein ganz besonderes Ereignis war der Ausflug zur Chinesischen Mauer. Etwa zehn Kilometer kletterten wir fast ausschließlich auf der alten Mauer herum, treppauf, treppab, von einem Wachtürmchen zum nächsten, umschwirrt von fleißigen Händlern, die gern bereit waren, einem für 2 € die gesamte Strecke zu folgen, wenn man sich erst am Ende entscheiden wolle, ein T-Shirt mit „I climbed the great wall“- Aufdruck zu kaufen und fast entäuscht dreinblickten, wenn man sie bat, ihre Kräfte doch lieber zu schonen.
So flog die Zeit vorbei, wie draußen die Landschaft. Und während sich im Gang der ersten Klasse ältere Ehepaare gegenseitig über ihre enorme Chinakenntnis informieren, die sie in den vergangenen zwei Tagen in Peking haben sammeln können und laut ausrufend ans Fenster stürmen, wenn die große Mauer sichtbar wird, fährt der Zug mit uns aus der großen Stadt hinaus in die leere Weite der Mongolischen Steppe, weg von den unzähligen, oft lauten, aber immer freundlichen Menschen, hin zu weiteren, neuen Erlebnissen.
Ohne Reservierung und Ahnung, wo wir die Nacht verbringen sollten, standen wir ein wenig hilflos Vom Zug endlich ausgespuckt auf dem Gleis herum, bis sich wieder einmal ein netter, junger Mann, mit guten Englischkenntnissen unser annahm und für uns in den verschiedenen Hostels anrief, bis er eines mit freien Betten fand und dann auch noch geduldig mit den Taxifahrern diskutierte, daß sie uns bitte dahinfahren sollten. Es ist manchmal sehr erstaunlich, aber immer wieder ein wunderbares Erlebnis: Es geht immer irgendwie weiter. Das Leben lässt einen nicht einfach auf dem Abstellgleis stehen.
Auf dem Abstellgleis stehe ich jetzt und während die Wagen des Zuges alle einzeln angehoben werden, um sie mit neuen Rädern für die schmaleren Gleise der Mongolei auszurüsten, sitze ich im gemütlichen Abteil der Transsibirischen und will versuchen die Erlebnisse der ausgefüllten, vergangenen Woche in der Chinesischen Hauptstadt in Worte zu fassen.
Am ersten Tag durchstreiften wir ahnungslos die riesige Stadt auf der Suche nach den offenkundigsten Sehenswürdigkeiten, wie dem Tianmenplatz und der Verbotenen Stadt. Die Weitläufigkeit und Größe in der die Stadt angelegt ist, ist überwältigend. Dennoch haben die Unmengen Bewohner der Stadt keine Schwierigkeiten auch diese Flächen auszufüllen und die Kinder, glücklich über den unerwarteten Auslauf, springen munter zwischen den Menschenmassen herum, die sich auf dem Platz tummeln. Schnell waren unsere Füße erschöpft und trugen uns müde zum nächsten Pekingentenrestaurant, wo wir zu horrenden Preisen unsere erste Pekingente verdrückten.
Ähnlich schnell vergingen die weiteren Tage. Die weiten Strecken, die auf der Karte so unscheinbar und leicht bewältigbar wirken wurden des öfteren zu ausgedehnten Spaziergängen zu, oder von den U-Bahnstationen.
Mit tausenden von anderen Menschen zwängten wir uns durch die Tore der Verbotenen Sadt, wurden vom Regen überrascht und verschwanden augenblicklich unter einem Meer von Schirmen.
Noch schlimmer war der Sommerpalast, da wie damals auch der Kaiser, mindestens eine halbe Millionen Chinesen Ruhe und Entspannung in den grünen Gärten und Seen um die verspielte Sommerresidenz suchten. Was sie fanden weiß ich nicht. Ich fand heraus, daß es sich nicht immer lohnt, eine Liste der bekanntesten Sehenswürdigkeiten abzuklappern und war froh, daß wir den Park recht bald wieder verließen, um dem viel spannenderen Abenteuer zu folgen uns einfach mal aus Spaß an der Freude in den nächsten Bus zu setzen, der kommt und sehr schnell festzustellen, daß er uns geradewegs aus der Stadt hinaus und in die weit abgelegenen Vororte führt, weshalb wir dann doch recht bald wieder umkehrten.
So verbrachten wir am Ende doch die meiste Zeit damit, durch irgendwelche Gassen zu schlendern, uns von winkenden Kindern anlachen zu lassen, an winzigen Straßenständen nach Obst und SD-Karten zu stöbern, oder im Park den unterschiedlichsten Freizeitbeschäftigungen der Einheimischen zu zu schauen oder zu lauschen. Da wurden ganz selbstverständlich Chorproben und Sologesangsübungen im Freien abgehalten, die seltsamsten Instrumente ausgepackt, oder auch einfach nur Tai chi gemacht oder Karten gespielt.
Viele der Straßen waren erstaunlich sauber und neu, die breiteren Straßen waren überhäuft mit Souvenirgeschäften, oder westlichen Klamottenläden und es war fast schwer, ein paar übrig gebliebene, authentisch alte, heruntergekommene Ecken zu finden.
Aber wir waren erfolgreich, wurden aufs freundlichste aufgenommen und waren bald in unserem Stammlokal als gute Freunde herzlichst willkommen und bekamen die seltsamsten Gerichte gratis hinzu, wenn wir eigentlich nur eine Kleinigkeit trinken wollten.
Ein ganz besonderes Ereignis war der Ausflug zur Chinesischen Mauer. Etwa zehn Kilometer kletterten wir fast ausschließlich auf der alten Mauer herum, treppauf, treppab, von einem Wachtürmchen zum nächsten, umschwirrt von fleißigen Händlern, die gern bereit waren, einem für 2 € die gesamte Strecke zu folgen, wenn man sich erst am Ende entscheiden wolle, ein T-Shirt mit „I climbed the great wall“- Aufdruck zu kaufen und fast entäuscht dreinblickten, wenn man sie bat, ihre Kräfte doch lieber zu schonen.
So flog die Zeit vorbei, wie draußen die Landschaft. Und während sich im Gang der ersten Klasse ältere Ehepaare gegenseitig über ihre enorme Chinakenntnis informieren, die sie in den vergangenen zwei Tagen in Peking haben sammeln können und laut ausrufend ans Fenster stürmen, wenn die große Mauer sichtbar wird, fährt der Zug mit uns aus der großen Stadt hinaus in die leere Weite der Mongolischen Steppe, weg von den unzähligen, oft lauten, aber immer freundlichen Menschen, hin zu weiteren, neuen Erlebnissen.
7. August: Chinas Lieblingsferienorte
Nach einer weiteren, gemütlichen Zugfahrt, kamen wir am frühen Morgen in dem wunderhübschen, sehr traditionell, chinesischen Ort Pingyao an. Dort erwartete uns ein weiterer Abholservice und ich kam zum ersten Mal in den Genuss, auf einer Rickshaw mitzufahren. Fröhlich tuckerte diese in die Stadtmauern des Ortes und von dort weiter durch zahlreiche enge, lampionbehangene, Gassen mit kleinen schiefen, grauen Spitzdächern, vorbei an frühmorgendlichen Händlern, die von ihren Fahrräderständen aus Obst, Mais, oder frisch zubereitete Pfannkuchen anboten, bis tief ins Innere des noch verschlafenen Gassengewirrs, zu unserer nächsten Heimat.
Als wir nur kurze Zeit später frei von Gepäck wieder auf die Straße traten, hatte sich das Bild komplett gewandelt. Die Türen der eben noch tief schlummernden Häuser standen weit geöffnet und die verschiedensten Waren quollen in allen nur erdenklichen Farben bis weit auf die Straße hinaus. Überall tummelten sich bunte, fröhliche Menschen mit Kameras und Sonnenschirmen.
Wir fanden uns mitten in einem der belibtesten Touristenorte Chinas wieder und schon allein des sonnigen Wetters wegen, blieb uns nichts anderes übrig, als uns mit Freuden mitten hinein zu mischen.
So erwarben wir eine Sammeleintrittskarte für alle Sehenswürdigkeiten des alten Stadtkerns und wanderten fröhlich knipsend an den unzähligen Souvenirständen vorbei von einem kleinen Museum zum nächsten, um staunend Innenhöfe von Tempeln, Wohnsitzen ehemaliger bedeutender Familien, oder Banken zu betrachten, die ihre Geschichten und Erklärungen leider immer nur in Chinesisch zum Besten gaben und sich im Endeffeckt doch alle sehr ähnlich sahen. Gerade, als unser Interesse begann ein klitzekleines bißchen nachzulassen, standen plötzlich zwei nette, junge Frauen vor uns und baten uns eine kostenfreie Führung an, um ihr Englisch zu trainieren. Da ich ja von je her ein gutgläubiger Mensch bin, kam ich gar nicht erst auf die Idee aus anderen Gründen, als purer Höflichkeit zu zögern und so schritten wir bald an der Seiter der Beiden durch das Bankmuseum, die Eine erklärend, die Andere übersetzend und wir endlich etwas verstehend. Eine knappe halbe Stunde später wußte ich für eine sehr kurze Zeit alles über die angeblich erste Chinesische Privatbank und konnte mir doch nicht helfen mir über die uneigennützige Freundlichkeit der Beiden Gedanken zu machen, als sie sich freundlich verabschiedeten, noch bevor wir auch nur Gelegenheit hatten, sie vielleicht ins Teehaus einzuladen.
So schlenderten wir den ganzen Tag durch die so wunderschöne und gut erhaltene Altstadt und fühlten uns seit langem mal wieder so richtig entspannt und gemütlich. Am Abend hatten wir noch Gelegenheit, eine traditionelle Tanztheateraufführung zu besuchen, was ein wunderschönes Erlebnis war. Irgendwo zwischen freiem Ausdruckstanz, Akrobatik, Kungfu und Pantomime bewegten sich die Tänzer in kreativen, farbenfrohen Choreographien. ( Und wenn auch viele der Künstler Gürtel trugen, damit ihre weiten Gewänder nicht beim herumfliegen störten, so war es doch überzeugend genug, um meine Zehenspitzen doch immer wieder zum Jucken und den Kopf auf viele dumme Ideen zu bringen, soetwas auch machen zu wollen.)
Der zweite Tag verging ganz ähnlich und ich nutzte die vielen, kleinen Stände oft erfolgreich, meine Handelkünste weiter zu verbessern. Es ist so lustig, den verschiedenen Reaktionen der Verkäufer zu folgen, wie sie sich an diesem Spiel erfreuen. Wenn ihnen ein westlicher Tourist gegenübersteht, verlangen sie hoffnungsos übertriebene Preise, beginnen aber zu lachen, oder entsetzt Mund und Augen aufreißen, sobald man ihnen ein Angebot beim etwa einem Zehntel des Preises macht und das Spiel kann beginnen. Auf Taschenrechner, oder Papier werden Zahlen hin und her geschoben und am Ende, wenn ich meißt schon zur Tür raus bin und sie endlich mein Angebot hinnehmen, kann die Reaktion alles sein, von beleidigten Blicken, daß man es geschafft hat sie um ihren erhofften Gewinn zu bringen, bis hin zu anerkennendem Schulterklopfen. Ob ich in Freiburg auch einfach mal in den „Saturn“ spazieren könnte, um einen USB-Stick um die Hälfte des ausgeschriebenen Preises herunter zu handeln? Ich glaube eher, ich würde mit völlig verstandnislosen Blicken gebeten werden, doch bitte umgehend den Laden zu verlassen.
Und so beginne ich mich langsam auch in dieser Fremde zurecht zu finden und immer wohler zu fühlen, trotz der unglaublich vielen Menschen, die es immer wieder schaffen, mich völlig verständnislos kopfschüttelnd mitten auf der Straße stehen zu lassen und munter hin und her geschubsen zu lassen. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, daß ich mir oft genug wie ein zu klein geratener Riese vorkomme, zu groß um nicht überall aufzufallen und zu klein, um das beständige Gewusel mit stoischer Gelassenheit ignorieren zu können.
Von Pingyao aus fuhren wir am Morgen des dritten Tages in einem kleinen, verrauchten Bus mit fürchterlich harten Sitzen nach Taiyuan und von dort aus gleich weiter nach Wutai Shan, einer sehr schönen, Tempel und leider auch Hotel übersäten Bergregion, in die wir zur Abenddämmerung und mit schrecklich schmerzendem Sitzfleisch einfuhren. In der zunehmenden Dunkelheit wehrten wir tapfer die vielen Einladungen anderer Hotels ab und ließen uns zu völlig überteurtem Preis im Taxi durch düstere Seitengassen und vorbei an stinkenden Müllbergen zu der von unserem letzten Hostel vorreservierten Unterkunft fahren. Der unbeleuchtete Eingang in einem heruntergekommenen Innenhof sah wenig verlockend aus, aber der Empfang war freundlich, wenngleich er ohne ein Wort Englisch ablief. Vergeblich versuchten wir der Rezeption klar zu machen, daß wir eine Reservierung hatten, wurden aber recht bald in ein kleines und erstaunlich sauberes Zimmer geführt, wo wir unsere neu erworbenen Fähigkeiten im Handeln zum Besten gaben. Dafür braucht man keine Sprachkenntnisse, das geht immer und in jeder Sprache.
Müde fielen wir ins Bett.
Mitten in der Nacht erwachte ich von Rufen aus denen ich vereinzelt Englische Worte heraushörte, gemischt mit Geräuschen, als ob an einem Tor hantiert wird, jemand über einen Zaun, oder auf den Balkon zu klettern versucht. Die Stimmen klangen herausfordernd, unangenehm. Bibbernd lag ich im Bett und wünschte mir, wir hätten doch ein wenig mehr für eine bessere Unterkunft ausgegeben. Neben mir, Franziska, schlief friedlich weiter, bis irgendwann schimpfende Rufe von der anderen Seite zu hören waren und dann endlich wieder alles still war. Langsam ruhiger werdend übermannte mich die Müdigkeit sehr schnell und ich erwachte erst gegen sechs Uhr morgens wieder von kräftigen Rotz- und Spuckgeräuschen und munteren Rufen, als es auf der Straße begann lebhaft zu werden.
Bis auch wir unseren aus dem Bett und einem halbwegs genießbaren Frühstück entgegen gefunden hatten, stand die Sonne schon wieder hoch am Himmel. Dementsprechend anstrengend und heiß war dann auch der erste Anstieg auf eine der vielen Tempelterassen. Die Sicht war leider vom üblichen Grau verhangen, aber die vielen bunten Fähnchen machten einiges wieder wett.
Trotz der hohen Eintrittspreise, die man für die gesamte Region bezahlen muß, fanden wir nirgendwo so viele Bettler, wie auf diesen endlosen Stufen. Direkt daneben mühten sich mindestens genauso viele Mönche, wie Touristen die Treppen hinauf und ich kam mir so fremd vor und war so befangen, von meiner Unkenntnis über diese farbenfrohe, freundliche und anschauliche Religion.
In einer Klosteranlage zwang uns hereinbrechender Regen zu einem ausgedehnten Aufenthalt und während wir mit einer Mischung aus Erfurcht und Ahnungslosigkeit ob der Bräuche unter einem Tempeldach Unterschlupf suchten, machte es sich eine ganze, chinesische Familie unter einem anderen mindestens ebenso gemütlich, packte ihr Mittagessen aus und schwatzte fröhlich mit den Mönchen, die daraufhin tütenweise die gesammelten Opfergaben anbrachten, um das Essen ein wenig zu auszuschmücken. Dieser Augenblick war so natürlich, so selbstverständlich, wie so vieles in China. Diese Einfachheit, dieses Hinnehmen der Gegebenheiten ist eines der Dinge, die mich dieses Land immer mehr schätzen lassen.
Als wir nur kurze Zeit später frei von Gepäck wieder auf die Straße traten, hatte sich das Bild komplett gewandelt. Die Türen der eben noch tief schlummernden Häuser standen weit geöffnet und die verschiedensten Waren quollen in allen nur erdenklichen Farben bis weit auf die Straße hinaus. Überall tummelten sich bunte, fröhliche Menschen mit Kameras und Sonnenschirmen.
Wir fanden uns mitten in einem der belibtesten Touristenorte Chinas wieder und schon allein des sonnigen Wetters wegen, blieb uns nichts anderes übrig, als uns mit Freuden mitten hinein zu mischen.
So erwarben wir eine Sammeleintrittskarte für alle Sehenswürdigkeiten des alten Stadtkerns und wanderten fröhlich knipsend an den unzähligen Souvenirständen vorbei von einem kleinen Museum zum nächsten, um staunend Innenhöfe von Tempeln, Wohnsitzen ehemaliger bedeutender Familien, oder Banken zu betrachten, die ihre Geschichten und Erklärungen leider immer nur in Chinesisch zum Besten gaben und sich im Endeffeckt doch alle sehr ähnlich sahen. Gerade, als unser Interesse begann ein klitzekleines bißchen nachzulassen, standen plötzlich zwei nette, junge Frauen vor uns und baten uns eine kostenfreie Führung an, um ihr Englisch zu trainieren. Da ich ja von je her ein gutgläubiger Mensch bin, kam ich gar nicht erst auf die Idee aus anderen Gründen, als purer Höflichkeit zu zögern und so schritten wir bald an der Seiter der Beiden durch das Bankmuseum, die Eine erklärend, die Andere übersetzend und wir endlich etwas verstehend. Eine knappe halbe Stunde später wußte ich für eine sehr kurze Zeit alles über die angeblich erste Chinesische Privatbank und konnte mir doch nicht helfen mir über die uneigennützige Freundlichkeit der Beiden Gedanken zu machen, als sie sich freundlich verabschiedeten, noch bevor wir auch nur Gelegenheit hatten, sie vielleicht ins Teehaus einzuladen.
So schlenderten wir den ganzen Tag durch die so wunderschöne und gut erhaltene Altstadt und fühlten uns seit langem mal wieder so richtig entspannt und gemütlich. Am Abend hatten wir noch Gelegenheit, eine traditionelle Tanztheateraufführung zu besuchen, was ein wunderschönes Erlebnis war. Irgendwo zwischen freiem Ausdruckstanz, Akrobatik, Kungfu und Pantomime bewegten sich die Tänzer in kreativen, farbenfrohen Choreographien. ( Und wenn auch viele der Künstler Gürtel trugen, damit ihre weiten Gewänder nicht beim herumfliegen störten, so war es doch überzeugend genug, um meine Zehenspitzen doch immer wieder zum Jucken und den Kopf auf viele dumme Ideen zu bringen, soetwas auch machen zu wollen.)
Der zweite Tag verging ganz ähnlich und ich nutzte die vielen, kleinen Stände oft erfolgreich, meine Handelkünste weiter zu verbessern. Es ist so lustig, den verschiedenen Reaktionen der Verkäufer zu folgen, wie sie sich an diesem Spiel erfreuen. Wenn ihnen ein westlicher Tourist gegenübersteht, verlangen sie hoffnungsos übertriebene Preise, beginnen aber zu lachen, oder entsetzt Mund und Augen aufreißen, sobald man ihnen ein Angebot beim etwa einem Zehntel des Preises macht und das Spiel kann beginnen. Auf Taschenrechner, oder Papier werden Zahlen hin und her geschoben und am Ende, wenn ich meißt schon zur Tür raus bin und sie endlich mein Angebot hinnehmen, kann die Reaktion alles sein, von beleidigten Blicken, daß man es geschafft hat sie um ihren erhofften Gewinn zu bringen, bis hin zu anerkennendem Schulterklopfen. Ob ich in Freiburg auch einfach mal in den „Saturn“ spazieren könnte, um einen USB-Stick um die Hälfte des ausgeschriebenen Preises herunter zu handeln? Ich glaube eher, ich würde mit völlig verstandnislosen Blicken gebeten werden, doch bitte umgehend den Laden zu verlassen.
Und so beginne ich mich langsam auch in dieser Fremde zurecht zu finden und immer wohler zu fühlen, trotz der unglaublich vielen Menschen, die es immer wieder schaffen, mich völlig verständnislos kopfschüttelnd mitten auf der Straße stehen zu lassen und munter hin und her geschubsen zu lassen. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, daß ich mir oft genug wie ein zu klein geratener Riese vorkomme, zu groß um nicht überall aufzufallen und zu klein, um das beständige Gewusel mit stoischer Gelassenheit ignorieren zu können.
Von Pingyao aus fuhren wir am Morgen des dritten Tages in einem kleinen, verrauchten Bus mit fürchterlich harten Sitzen nach Taiyuan und von dort aus gleich weiter nach Wutai Shan, einer sehr schönen, Tempel und leider auch Hotel übersäten Bergregion, in die wir zur Abenddämmerung und mit schrecklich schmerzendem Sitzfleisch einfuhren. In der zunehmenden Dunkelheit wehrten wir tapfer die vielen Einladungen anderer Hotels ab und ließen uns zu völlig überteurtem Preis im Taxi durch düstere Seitengassen und vorbei an stinkenden Müllbergen zu der von unserem letzten Hostel vorreservierten Unterkunft fahren. Der unbeleuchtete Eingang in einem heruntergekommenen Innenhof sah wenig verlockend aus, aber der Empfang war freundlich, wenngleich er ohne ein Wort Englisch ablief. Vergeblich versuchten wir der Rezeption klar zu machen, daß wir eine Reservierung hatten, wurden aber recht bald in ein kleines und erstaunlich sauberes Zimmer geführt, wo wir unsere neu erworbenen Fähigkeiten im Handeln zum Besten gaben. Dafür braucht man keine Sprachkenntnisse, das geht immer und in jeder Sprache.
Müde fielen wir ins Bett.
Mitten in der Nacht erwachte ich von Rufen aus denen ich vereinzelt Englische Worte heraushörte, gemischt mit Geräuschen, als ob an einem Tor hantiert wird, jemand über einen Zaun, oder auf den Balkon zu klettern versucht. Die Stimmen klangen herausfordernd, unangenehm. Bibbernd lag ich im Bett und wünschte mir, wir hätten doch ein wenig mehr für eine bessere Unterkunft ausgegeben. Neben mir, Franziska, schlief friedlich weiter, bis irgendwann schimpfende Rufe von der anderen Seite zu hören waren und dann endlich wieder alles still war. Langsam ruhiger werdend übermannte mich die Müdigkeit sehr schnell und ich erwachte erst gegen sechs Uhr morgens wieder von kräftigen Rotz- und Spuckgeräuschen und munteren Rufen, als es auf der Straße begann lebhaft zu werden.
Bis auch wir unseren aus dem Bett und einem halbwegs genießbaren Frühstück entgegen gefunden hatten, stand die Sonne schon wieder hoch am Himmel. Dementsprechend anstrengend und heiß war dann auch der erste Anstieg auf eine der vielen Tempelterassen. Die Sicht war leider vom üblichen Grau verhangen, aber die vielen bunten Fähnchen machten einiges wieder wett.
Trotz der hohen Eintrittspreise, die man für die gesamte Region bezahlen muß, fanden wir nirgendwo so viele Bettler, wie auf diesen endlosen Stufen. Direkt daneben mühten sich mindestens genauso viele Mönche, wie Touristen die Treppen hinauf und ich kam mir so fremd vor und war so befangen, von meiner Unkenntnis über diese farbenfrohe, freundliche und anschauliche Religion.
In einer Klosteranlage zwang uns hereinbrechender Regen zu einem ausgedehnten Aufenthalt und während wir mit einer Mischung aus Erfurcht und Ahnungslosigkeit ob der Bräuche unter einem Tempeldach Unterschlupf suchten, machte es sich eine ganze, chinesische Familie unter einem anderen mindestens ebenso gemütlich, packte ihr Mittagessen aus und schwatzte fröhlich mit den Mönchen, die daraufhin tütenweise die gesammelten Opfergaben anbrachten, um das Essen ein wenig zu auszuschmücken. Dieser Augenblick war so natürlich, so selbstverständlich, wie so vieles in China. Diese Einfachheit, dieses Hinnehmen der Gegebenheiten ist eines der Dinge, die mich dieses Land immer mehr schätzen lassen.
3.August: Luoyang- eine ganz normale, chinesische Stadt
Die unglaublich präzise Richtungsangabe zu unserem Hostel, nämlich, daß es sich nur 500m vom Bahnhof entfernt befinde und daher sehr leicht zu finden sei, sorgte dafür, daß wir etwa eine Stunde lang in allen Himmelsrichtungen um den Bahnhof herum jede Straße abschritten, nur um dann doch in einem spätabendlich geöffneten Friseursalon zu spazieren und uns in einer mittlerweile zwar vertrauten, aber immer noch völlig unverständlichen Sprache doch nicht verständigen zu können. Nach einigem erfolglosen Rumgezappel konnten wenige chinesische Schriftzeichen im Lonely planet das Gesicht der jungen Frau zum Aufleuchten bringen. Erleichtert uns endlich helfen zu können, lief sie auf die Straße, um den vorbeibrausenden Motorrollerfahrern entgegen zu rufen, ob einer vielleicht diese Adresse kennen würde. Völlig zu meiner Überraschung hielt auch tatsächlich einer an, der Bescheid zu wissen schien und keine zwei Minuten später standen wir erleichtert am Ziel unserer Wünsche.
Der erste Eindruck einer dreckigen, lauten, baufälligen und touristenarmen Stadt, den wir an der abendlichen Bahnhofsumwanderung gewonnen hatten, änderte sich auch bei Tageslicht nicht und so verschwendeten wir so wenig Zeit wie uns bei der fast unerträglichen Aufdringlichkeit der Taxifahrer möglich war, um in den nächsten Bus zu springen, der uns für niedliche 0.15 € quer durch die Stadt, entlang der ärmlichen Vororte, zu den Longmen-Grotten brachte.
Diese Grotten beherbergen tausende in Stein gehauener Buddhas in allen Größen und Bedeutungen und sind absolut verdienter Weise Teil des Weltkulturerbes. Leider hat man das, wie bei so vielen Dingen, noch nicht immer so gesehen, so daß zu Beginn des 20sten Jahrhunderts die Grotten häufig geplündert worden, wobei auch viele Köpfe verloren gingen, die nun allerdings langsam wieder von irgend woher zum Vorschein kommen und in mühsamster Kleinstarbeit wieder angebaut werden. Mindestens genauso schlimm und irreversibel waren die Zerstörungsaktionen in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als aus Glaubensverbotsgründen unzähligen Steinfiguren die Gesichter weggehackt und unkenntlich gemacht wurden. Aber trotz dieser Zerstörungsspuren war es ein rundum beeindruckendes Erlebnis, über weite Strecken des Berges hinweg von einer Grotte zur nächsten zu gehen und immer wieder andere Figuren zu bewundern. Immer wieder neue Kunstwerke über fast 1000 Jahre hinweg in Stein gehauen, für die Ewigkeit geschaffen.
Als wir uns vor einer Ausicht mit dunstigem Tempelblick ein Weilchen ausruhend ans Geländer lehnten, hätten wir eigentlich ein Geschäft aus der Fotografiersucht der Chinesen machen können, so wie sie alle mit ihren Kameras Schlange standen und ihre Kinder eifrig vor dieser einmaligen Attraktion zweier rothaariger Europäer zurecht rückten. So langsam frage ich mich, in wie vielen Fotoalben wir als die neuen, westliche Freunde bedeutsam hervorgezeigt werden, oder gar auf den Nachttischen eingerahmt auf den süßen Schlaf der armen Kinder hinablächeln, die sich mit uns knipsen lassen mussten.
Obwohl ich für den nächsten Tag lieber unabhängig unterwegs gewesen wäre, entschieden wir uns schlußendlich doch wieder für eine geführte Tour. Das Ziel war das Shaolinkloster, was durch die Entwicklung des „gungfu“ weltweit Berühmtheit erlangt hat. Nachdem zu viele Leute für den Bus mitkommen wollten, wurden ausgerechnet Franziska und ich auserwählt und sehr wortreich wieder aus dem Bus herausgewunken, einer anderen Person in Obhut gegeben und nach einem Spaziergang durch die halbe Stadt in einen anderen Bus verfrachtet. In diesem saß nun außer uns kein einziger Nichtchinese mehr und erklärt wurde uns auch alles nur sehr unwirsch und ausschließlich in der Landessprache, so daß wir eigentlich keine Ahnung hatten, wohin es nun ging und was überhaupt das alles sollte. Irgendwie schien es aber doch ein Bus mit der gleichen Tour zu sein und so klapperten wir auf dem Weg noch einige andere Tempel und Grabstätten ab, bei denen wir wieder fleißig gesottene Eintrittspreise für Dinge zahlen durften, die wir eigentlich gar nicht sehen wollten und zur Steigerung unserer Laune konnten wir dem Reiseleiter auch nur sehr mühselig entlocken, wann wir wieder auf dem Bus zu sein hatte, damit wir nicht irgendwo dann plötzlich allein dastünden.
Irgendwann am frühen Nachmittag kamen wir dann auch tatsächlich am Shaolinkloster an und hatten immerhin noch drei Stunden Zeit für ein Gebiet, das ohne Schwierigkeiten, 6-8 Stunden verdient hätte. Aber wofür sich die ganze Aufregung im Endeffeckt doch gelohnt hat, war eine Kampfvorstellung der Mönche. Nach chinesischer Art mussten wir zwar schon fast eine kleine Kampfvorstellung bieten, um uns einen Sitzplatz zu sichern (man steht da und wartet darauf daß andere Europäer aufstehen und ihre Sachen wegräumen, damit man durchpasst, da schieben sich mit ungeahnten Kräften fünf Chinesen gleichzeitig an einem vorbei, lösen meine Hände rücksichtslos vom Stuhl, treten mir auf die Füße, trampeln den anderen über die Taschen und schauen einen dabei noch mit bösen Blicken an, wenn man versucht irgendetwas dagegen zu unternehmen. Wem es aber nicht gelingt, einen Platz zu erhaschen, der ist auch nicht nachtragend, sondern drängelt sich mit ungetrübtem Elan weiter), aber als die Vorstellung begann und ich sowohl saß, als auch sah, blieb mir der Mund offen vor Erstaunen und Begeisterung. Verrenkungen bis man nicht mehr weiß, wo oben und wo unten ist, Sprünge, Saltos und Bewegungen in unfassbarem Tempo, bis hin zu gebrochenen Steinplatten und einer Nadel, die durch eine Glasscheibe hindurch einen Luftballon zum Platzen brachte. Letzteres beeindruckte mich besonders, weil es beim ersten Mal nicht gleich gelang, und die Nadel beim Aufprall auf das Glas Funken sprühte. Daran wurde noch faszinierender sichbar, welche Energien dabei aufgebaut und unheimlich präzise und gezielt frei gesetzt werden. Draußen empfing uns wieder einmal strömender Regen, der es uns leichter machte hinzunehmen, daß wir eigentlich viel zu wenig Zeit hatten, denn sämtliche Aussichtsberge blieben im Regenschleier verborgen.
Am Abend ergatterten wir uns noch die beiden letzten Schlafplätze im Zug nach Pingyao für den folgenden Abend und hatten somit noch einen ganzen Tag zu unserer Verfügung, verschlafen durch freundlich grüßende Taxifahrer und auf die Straße pinkelnde Kinder zu schlurfen.
Der erste Eindruck einer dreckigen, lauten, baufälligen und touristenarmen Stadt, den wir an der abendlichen Bahnhofsumwanderung gewonnen hatten, änderte sich auch bei Tageslicht nicht und so verschwendeten wir so wenig Zeit wie uns bei der fast unerträglichen Aufdringlichkeit der Taxifahrer möglich war, um in den nächsten Bus zu springen, der uns für niedliche 0.15 € quer durch die Stadt, entlang der ärmlichen Vororte, zu den Longmen-Grotten brachte.
Diese Grotten beherbergen tausende in Stein gehauener Buddhas in allen Größen und Bedeutungen und sind absolut verdienter Weise Teil des Weltkulturerbes. Leider hat man das, wie bei so vielen Dingen, noch nicht immer so gesehen, so daß zu Beginn des 20sten Jahrhunderts die Grotten häufig geplündert worden, wobei auch viele Köpfe verloren gingen, die nun allerdings langsam wieder von irgend woher zum Vorschein kommen und in mühsamster Kleinstarbeit wieder angebaut werden. Mindestens genauso schlimm und irreversibel waren die Zerstörungsaktionen in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als aus Glaubensverbotsgründen unzähligen Steinfiguren die Gesichter weggehackt und unkenntlich gemacht wurden. Aber trotz dieser Zerstörungsspuren war es ein rundum beeindruckendes Erlebnis, über weite Strecken des Berges hinweg von einer Grotte zur nächsten zu gehen und immer wieder andere Figuren zu bewundern. Immer wieder neue Kunstwerke über fast 1000 Jahre hinweg in Stein gehauen, für die Ewigkeit geschaffen.
Als wir uns vor einer Ausicht mit dunstigem Tempelblick ein Weilchen ausruhend ans Geländer lehnten, hätten wir eigentlich ein Geschäft aus der Fotografiersucht der Chinesen machen können, so wie sie alle mit ihren Kameras Schlange standen und ihre Kinder eifrig vor dieser einmaligen Attraktion zweier rothaariger Europäer zurecht rückten. So langsam frage ich mich, in wie vielen Fotoalben wir als die neuen, westliche Freunde bedeutsam hervorgezeigt werden, oder gar auf den Nachttischen eingerahmt auf den süßen Schlaf der armen Kinder hinablächeln, die sich mit uns knipsen lassen mussten.
Obwohl ich für den nächsten Tag lieber unabhängig unterwegs gewesen wäre, entschieden wir uns schlußendlich doch wieder für eine geführte Tour. Das Ziel war das Shaolinkloster, was durch die Entwicklung des „gungfu“ weltweit Berühmtheit erlangt hat. Nachdem zu viele Leute für den Bus mitkommen wollten, wurden ausgerechnet Franziska und ich auserwählt und sehr wortreich wieder aus dem Bus herausgewunken, einer anderen Person in Obhut gegeben und nach einem Spaziergang durch die halbe Stadt in einen anderen Bus verfrachtet. In diesem saß nun außer uns kein einziger Nichtchinese mehr und erklärt wurde uns auch alles nur sehr unwirsch und ausschließlich in der Landessprache, so daß wir eigentlich keine Ahnung hatten, wohin es nun ging und was überhaupt das alles sollte. Irgendwie schien es aber doch ein Bus mit der gleichen Tour zu sein und so klapperten wir auf dem Weg noch einige andere Tempel und Grabstätten ab, bei denen wir wieder fleißig gesottene Eintrittspreise für Dinge zahlen durften, die wir eigentlich gar nicht sehen wollten und zur Steigerung unserer Laune konnten wir dem Reiseleiter auch nur sehr mühselig entlocken, wann wir wieder auf dem Bus zu sein hatte, damit wir nicht irgendwo dann plötzlich allein dastünden.
Irgendwann am frühen Nachmittag kamen wir dann auch tatsächlich am Shaolinkloster an und hatten immerhin noch drei Stunden Zeit für ein Gebiet, das ohne Schwierigkeiten, 6-8 Stunden verdient hätte. Aber wofür sich die ganze Aufregung im Endeffeckt doch gelohnt hat, war eine Kampfvorstellung der Mönche. Nach chinesischer Art mussten wir zwar schon fast eine kleine Kampfvorstellung bieten, um uns einen Sitzplatz zu sichern (man steht da und wartet darauf daß andere Europäer aufstehen und ihre Sachen wegräumen, damit man durchpasst, da schieben sich mit ungeahnten Kräften fünf Chinesen gleichzeitig an einem vorbei, lösen meine Hände rücksichtslos vom Stuhl, treten mir auf die Füße, trampeln den anderen über die Taschen und schauen einen dabei noch mit bösen Blicken an, wenn man versucht irgendetwas dagegen zu unternehmen. Wem es aber nicht gelingt, einen Platz zu erhaschen, der ist auch nicht nachtragend, sondern drängelt sich mit ungetrübtem Elan weiter), aber als die Vorstellung begann und ich sowohl saß, als auch sah, blieb mir der Mund offen vor Erstaunen und Begeisterung. Verrenkungen bis man nicht mehr weiß, wo oben und wo unten ist, Sprünge, Saltos und Bewegungen in unfassbarem Tempo, bis hin zu gebrochenen Steinplatten und einer Nadel, die durch eine Glasscheibe hindurch einen Luftballon zum Platzen brachte. Letzteres beeindruckte mich besonders, weil es beim ersten Mal nicht gleich gelang, und die Nadel beim Aufprall auf das Glas Funken sprühte. Daran wurde noch faszinierender sichbar, welche Energien dabei aufgebaut und unheimlich präzise und gezielt frei gesetzt werden. Draußen empfing uns wieder einmal strömender Regen, der es uns leichter machte hinzunehmen, daß wir eigentlich viel zu wenig Zeit hatten, denn sämtliche Aussichtsberge blieben im Regenschleier verborgen.
Am Abend ergatterten wir uns noch die beiden letzten Schlafplätze im Zug nach Pingyao für den folgenden Abend und hatten somit noch einen ganzen Tag zu unserer Verfügung, verschlafen durch freundlich grüßende Taxifahrer und auf die Straße pinkelnde Kinder zu schlurfen.
29. Juli: Die weltberuehmen Krieger
Zugfahren ist toll!
Draußen zieht die lebendige Nacht Shanghais an uns vorbei, bis es irgendwann dunkel wird, die Lichter weniger werden und schließlich gänzlich verschwinden. Wir haben es uns auf unseren Betten gemütlich gemacht. In der luxuriösen „Softsleeper“ -Klasse lässt sich das Reisen sehr angenehm genießen. Und bei 15 Stunden Fahrtzeit bis nach Xi'an ist das vielleicht auch ganz gut so.
Xi'an empfing uns mit drückender Hitze und unzähligen Menschen. Wer hätte soetwas in China vermutet? Das Hostel hatte einen freien Abholservice vom Bahnhof angeboten und so war ich aufs angenehmste überrascht unter der wartenden Menschenmenge, und unzähligen Schildern mit chinesischen Zeichen aller Größen und Farben ausgestattet, dann tatsächlich meinen Namen groß und deutlich aus den Massen herausleuchten zu sehen. Ein wahrhaft erhebendes Erlebnis! Der Service bestand nun weiterhin darin, vier orientierungslos umherschauende Rucksacktouristen in den nächsten Linienbus zu packen und mit ihnen am anderen Ende der Stadt wieder auszusteigen, um von dort aus zum Hostel zu laufen. Das scheiterte dann auch gleich erfolgreich, als der Busfahrer gerade nach den ersten beiden entschied, der Bus sein nun voll genug und ohne lang zu murren abfuhr. Glücklicherweise blieb der Abholservice bei uns und die anderen Beiden standen dann tatsächlich an der richtigen Haltestelle und warteten.
An diesem Nachmittag erkundeten wir ein wenig die unerwartet große Stadt und fanden endlich das wahre China. Nachdem Shanghai alles daran gelegt hatte, sich als moderne, westliche Handels und Wirtschaftsmetropole zu präsentieren, fanden wir hier alles kunterbunt zusammengemischt. Auch hier reihten sich die westlichen Fastfoodketten aneinander und moderne Modegeschäfte waren alles andere als selten, aber keine zwei Straßen weiter quollen Straßenverkäufer aus allen Ecken, um uns von ihren überfüllten Rikschas aus alles von getrockneten Früchten, über die bekannten chinesischen Pfannkuchen und Wassermelonen, bis hin zu Kalligraphiepinseln, unechten Terrakottakriegernachbauten und Regenschirmen zu verkaufen.
Regenschirmen? Wozu denn das? Sahen wir etwa so aus, als würde uns ein Regenschirm noch helfen? Der heranziehende Abend hatte dicke, graue Wolken und düstere Nebelschwaden in die ohnehin dauerhaft diesig, dunstige Stadt getragen, die sich augenblicklich nach einem kleinen Trommelkonzert im städtischen Drumtower über die herausströmenden Besucher ergossen. So hüpften wir von Straßenstandschirm zu Straßenstandschirm, bis die Sinnlosigkeit unseres Tuns allzu offensichtlich wurde und wir es einfach alles über uns ergehen ließen. Gemütlichen Schrittes und von von oben bis unten klitschnaß suchten wir uns den Heimweg durch das endlose Straßennamengewirr zwischen dongcheng, goulong, mingdeng, dschingfeng, schangzhou, jiangfeng,gonglou... am Ende konnten wir fast schwimmen...
Der nächste Tag stand im Zeichen der Terrakottaarmee. Wir hatten es gewagt und eine Tagestour gebucht. Dafür wurden wir auch wie richtige Touristen behandelt. Die Reiseleiterin sprach sehr gutes Englisch, was, wie wir später herausfanden, nicht unbedingt selbstverständlich ist. Zuerst gab es ein Museum über die Ausgrabungen der ersten Sieder der Gegend, dann ging es zur Terrakottakrieger- Nachbau- Fabrik, weiter zu einer Seidenfabrik und dann, nachdem wir zum unendlichsten Male allen eifrigen Verkäuferinnen mühsam klar gemacht hatten, daß wir jetzt wirklich keine Seidenfaserbettdecke brauchten, endlich auch zu den Kriegern.
Hier kämpften nun tausende von Touristen um die besten Fotoplätze vor der vorrückenden Armee. Jeder Kriger hatte andere Gesichtszüge, andere Kleidung und es gab tausende, auch von ihnen.
Einerseits hatte ich mir vorgestellt, viel näher an die einzelnen Statuen herangehen zu können und sie mir immer vor einer idyllischen, chinesischen Berglandschaft ausgemalt, andererseits war es sicher sinnvoll, sie mit einer riesigen Wellblechdachhalle vor Wind und Wettereinflüssen ebenso zu schützen, wie mit Geländern von den hemmungslos anfasssüchtigen Touristen.
Am nächsten Tag lag Franziska mit Bauchkrämpfen im Bett und während sie ihrer Besserung entgegen schlief, machte ich mich auf zum Abenteuer, allein in die riesigen Menschenmassen zu tauchen. Nach anfänglichen Unsicherheiten und der ungewohnten Tatsache, ganz allein entscheiden zu müssen, fühlte ich mich zunehmend wohler und so genoss ich die aufregenden Erlebnisse, zwischen riesigen Baustellen eine als Tempel getarnte Moschee zu suchen und allein Bus zu fahren.
Am Abend stieß ich ganz unverhofft auf ein kleines Straßenfest. In den verschiedenen Ecken des Platzes sangen ein stimmgewaltiger Männerchor, war eine Art Straßenkaraoke mit großer Begeisterung im Gange, oder sangen sich einzelne Sänger ihre traditionellen Lieder zu, bis irgendwann immer wieder alle mit einfielen, während in der Mitte des Platzes etwa 30 40jährige Frauen und Männer in Reihen fächerschwingend Volkstänze zu einem kleinen, plärrenden Kofferradio tanzten.
Am darauffolgenden Tag fuhren wir nach tagelangen Stadtbesichtigungen endlich mal in die Berge. Kegelförmige Kalksteinspitzen lugten aus leichten Dunstwolken hervor. Es war eindeutig einer der besseren Tage. An der Seilbahn standen wir mit nur etwa 2000 anderen Touristen und warteten auch nur etwa eine Stunde.
Hier, wie in den Stadtbussen wurde uns die wahre Mentalität der Chinesen bewußt: Wir alle gehören zusammen, aber ich komm zuerst. Das Gedrängel und Geschubse und rücksichtslose im Weg rumlaufen beherrschen die Chinesen bis zur Perfektion und lassen keine Gelegenheit aus, von diesem Können und Denken Gebrauch zu machen. Dementsprechend ging es dann auch auf dem Berg selbst zu. Die Wege waren bis weit an den Horizont überfüllt mit aneinander gereihten bunten Menschenpunkten, und an jedem netten Aussichtspunkt standen sie Schlange, um ein Foto mit sich vor der Landschaft geknipst zu bekommen. Mein Versuch, die Landschaft, die ja wirklich sehr schön ist und sanfte, einsame Ruhe ausstrahlen könnte, ohne Menschen aufs Bild zu bekommen, scheiterte an der tiefgründigen Überzeugung der Chinesen, daß es doch noch schöner sei, wenn auf ihrem Bild außer ihnen selbst auch noch so eine junge, europäische Exotin zu sehen sei, womit sie sich sehr wortreich bei mir unterhakten und mir in die entsprechende Richtung zu lächeln geboten.
Wenn überall nur ein Viertel der Menschen zu sehen wären, wie tatsächlich da sind, dann wären es immer noch genug, um zu sagen, es sei ein belebter Ort. Und ein Viertel der Bevölkerung Chinas, ist immer noch die zehnfache Menge der Australischen. Daraus ergibt sich ein völlig neues Gefühl für den Begriff „Mitmenschen“. Aber erst durch die einerseits erlebte, selbstverständliche Rücksichtslosigkeit der Menschen untereinander, bis hin zur hemmungslosen Aufdringlichkeit der Straßenverkäufer und Taxifahrer uns gegenüber, läuft dieser Begriff sehr leicht Gefahr zu einer ungewollten Abneigung heran zu wachsen. Hinzu kommt penetranter Gestank auf den Straßen, gleichgültiges Rülpsen, Furzen und Spucken der Erwachsenen und die selbstverständliche Erklärung der Straße zur Kindertoilette.
Aber meine Eindrücke vermischen sich bereits mit denen aus Luoyang, der dritten, von uns besuchten und mit Abstand unangenehmsten Stadt, die neben dreckigen Straßen und aufdringlichen Taxifahrern aber auch noch ganz andere, faszinierend schöne Erlebnisse zu bieten hatte...
Ach so, die Sonnenfinsternis: Dieses aufregende Ereignis war getrübt von den üblichen dicken Dunstwolken und der Tatsache, daß es vorher eigentlich gar nicht wirklich herauszubekommen war, wann genau diese eigentlch stattfindet. Aber während ich tatsächlich das hereinbrechende Dämmerlicht wahrnehmen konnte, ging das geschäftige Treiben auf den Straßen unbeeindruckt weiter. Eine totale Sonnenfinsternis war für die Chinesen ganz offensichtlich kein Grund, sich in ihrem unerschütterlichen Alltag unterbrechen zu lassen.
Draußen zieht die lebendige Nacht Shanghais an uns vorbei, bis es irgendwann dunkel wird, die Lichter weniger werden und schließlich gänzlich verschwinden. Wir haben es uns auf unseren Betten gemütlich gemacht. In der luxuriösen „Softsleeper“ -Klasse lässt sich das Reisen sehr angenehm genießen. Und bei 15 Stunden Fahrtzeit bis nach Xi'an ist das vielleicht auch ganz gut so.
Xi'an empfing uns mit drückender Hitze und unzähligen Menschen. Wer hätte soetwas in China vermutet? Das Hostel hatte einen freien Abholservice vom Bahnhof angeboten und so war ich aufs angenehmste überrascht unter der wartenden Menschenmenge, und unzähligen Schildern mit chinesischen Zeichen aller Größen und Farben ausgestattet, dann tatsächlich meinen Namen groß und deutlich aus den Massen herausleuchten zu sehen. Ein wahrhaft erhebendes Erlebnis! Der Service bestand nun weiterhin darin, vier orientierungslos umherschauende Rucksacktouristen in den nächsten Linienbus zu packen und mit ihnen am anderen Ende der Stadt wieder auszusteigen, um von dort aus zum Hostel zu laufen. Das scheiterte dann auch gleich erfolgreich, als der Busfahrer gerade nach den ersten beiden entschied, der Bus sein nun voll genug und ohne lang zu murren abfuhr. Glücklicherweise blieb der Abholservice bei uns und die anderen Beiden standen dann tatsächlich an der richtigen Haltestelle und warteten.
An diesem Nachmittag erkundeten wir ein wenig die unerwartet große Stadt und fanden endlich das wahre China. Nachdem Shanghai alles daran gelegt hatte, sich als moderne, westliche Handels und Wirtschaftsmetropole zu präsentieren, fanden wir hier alles kunterbunt zusammengemischt. Auch hier reihten sich die westlichen Fastfoodketten aneinander und moderne Modegeschäfte waren alles andere als selten, aber keine zwei Straßen weiter quollen Straßenverkäufer aus allen Ecken, um uns von ihren überfüllten Rikschas aus alles von getrockneten Früchten, über die bekannten chinesischen Pfannkuchen und Wassermelonen, bis hin zu Kalligraphiepinseln, unechten Terrakottakriegernachbauten und Regenschirmen zu verkaufen.
Regenschirmen? Wozu denn das? Sahen wir etwa so aus, als würde uns ein Regenschirm noch helfen? Der heranziehende Abend hatte dicke, graue Wolken und düstere Nebelschwaden in die ohnehin dauerhaft diesig, dunstige Stadt getragen, die sich augenblicklich nach einem kleinen Trommelkonzert im städtischen Drumtower über die herausströmenden Besucher ergossen. So hüpften wir von Straßenstandschirm zu Straßenstandschirm, bis die Sinnlosigkeit unseres Tuns allzu offensichtlich wurde und wir es einfach alles über uns ergehen ließen. Gemütlichen Schrittes und von von oben bis unten klitschnaß suchten wir uns den Heimweg durch das endlose Straßennamengewirr zwischen dongcheng, goulong, mingdeng, dschingfeng, schangzhou, jiangfeng,gonglou... am Ende konnten wir fast schwimmen...
Der nächste Tag stand im Zeichen der Terrakottaarmee. Wir hatten es gewagt und eine Tagestour gebucht. Dafür wurden wir auch wie richtige Touristen behandelt. Die Reiseleiterin sprach sehr gutes Englisch, was, wie wir später herausfanden, nicht unbedingt selbstverständlich ist. Zuerst gab es ein Museum über die Ausgrabungen der ersten Sieder der Gegend, dann ging es zur Terrakottakrieger- Nachbau- Fabrik, weiter zu einer Seidenfabrik und dann, nachdem wir zum unendlichsten Male allen eifrigen Verkäuferinnen mühsam klar gemacht hatten, daß wir jetzt wirklich keine Seidenfaserbettdecke brauchten, endlich auch zu den Kriegern.
Hier kämpften nun tausende von Touristen um die besten Fotoplätze vor der vorrückenden Armee. Jeder Kriger hatte andere Gesichtszüge, andere Kleidung und es gab tausende, auch von ihnen.
Einerseits hatte ich mir vorgestellt, viel näher an die einzelnen Statuen herangehen zu können und sie mir immer vor einer idyllischen, chinesischen Berglandschaft ausgemalt, andererseits war es sicher sinnvoll, sie mit einer riesigen Wellblechdachhalle vor Wind und Wettereinflüssen ebenso zu schützen, wie mit Geländern von den hemmungslos anfasssüchtigen Touristen.
Am nächsten Tag lag Franziska mit Bauchkrämpfen im Bett und während sie ihrer Besserung entgegen schlief, machte ich mich auf zum Abenteuer, allein in die riesigen Menschenmassen zu tauchen. Nach anfänglichen Unsicherheiten und der ungewohnten Tatsache, ganz allein entscheiden zu müssen, fühlte ich mich zunehmend wohler und so genoss ich die aufregenden Erlebnisse, zwischen riesigen Baustellen eine als Tempel getarnte Moschee zu suchen und allein Bus zu fahren.
Am Abend stieß ich ganz unverhofft auf ein kleines Straßenfest. In den verschiedenen Ecken des Platzes sangen ein stimmgewaltiger Männerchor, war eine Art Straßenkaraoke mit großer Begeisterung im Gange, oder sangen sich einzelne Sänger ihre traditionellen Lieder zu, bis irgendwann immer wieder alle mit einfielen, während in der Mitte des Platzes etwa 30 40jährige Frauen und Männer in Reihen fächerschwingend Volkstänze zu einem kleinen, plärrenden Kofferradio tanzten.
Am darauffolgenden Tag fuhren wir nach tagelangen Stadtbesichtigungen endlich mal in die Berge. Kegelförmige Kalksteinspitzen lugten aus leichten Dunstwolken hervor. Es war eindeutig einer der besseren Tage. An der Seilbahn standen wir mit nur etwa 2000 anderen Touristen und warteten auch nur etwa eine Stunde.
Hier, wie in den Stadtbussen wurde uns die wahre Mentalität der Chinesen bewußt: Wir alle gehören zusammen, aber ich komm zuerst. Das Gedrängel und Geschubse und rücksichtslose im Weg rumlaufen beherrschen die Chinesen bis zur Perfektion und lassen keine Gelegenheit aus, von diesem Können und Denken Gebrauch zu machen. Dementsprechend ging es dann auch auf dem Berg selbst zu. Die Wege waren bis weit an den Horizont überfüllt mit aneinander gereihten bunten Menschenpunkten, und an jedem netten Aussichtspunkt standen sie Schlange, um ein Foto mit sich vor der Landschaft geknipst zu bekommen. Mein Versuch, die Landschaft, die ja wirklich sehr schön ist und sanfte, einsame Ruhe ausstrahlen könnte, ohne Menschen aufs Bild zu bekommen, scheiterte an der tiefgründigen Überzeugung der Chinesen, daß es doch noch schöner sei, wenn auf ihrem Bild außer ihnen selbst auch noch so eine junge, europäische Exotin zu sehen sei, womit sie sich sehr wortreich bei mir unterhakten und mir in die entsprechende Richtung zu lächeln geboten.
Wenn überall nur ein Viertel der Menschen zu sehen wären, wie tatsächlich da sind, dann wären es immer noch genug, um zu sagen, es sei ein belebter Ort. Und ein Viertel der Bevölkerung Chinas, ist immer noch die zehnfache Menge der Australischen. Daraus ergibt sich ein völlig neues Gefühl für den Begriff „Mitmenschen“. Aber erst durch die einerseits erlebte, selbstverständliche Rücksichtslosigkeit der Menschen untereinander, bis hin zur hemmungslosen Aufdringlichkeit der Straßenverkäufer und Taxifahrer uns gegenüber, läuft dieser Begriff sehr leicht Gefahr zu einer ungewollten Abneigung heran zu wachsen. Hinzu kommt penetranter Gestank auf den Straßen, gleichgültiges Rülpsen, Furzen und Spucken der Erwachsenen und die selbstverständliche Erklärung der Straße zur Kindertoilette.
Aber meine Eindrücke vermischen sich bereits mit denen aus Luoyang, der dritten, von uns besuchten und mit Abstand unangenehmsten Stadt, die neben dreckigen Straßen und aufdringlichen Taxifahrern aber auch noch ganz andere, faszinierend schöne Erlebnisse zu bieten hatte...
Ach so, die Sonnenfinsternis: Dieses aufregende Ereignis war getrübt von den üblichen dicken Dunstwolken und der Tatsache, daß es vorher eigentlich gar nicht wirklich herauszubekommen war, wann genau diese eigentlch stattfindet. Aber während ich tatsächlich das hereinbrechende Dämmerlicht wahrnehmen konnte, ging das geschäftige Treiben auf den Straßen unbeeindruckt weiter. Eine totale Sonnenfinsternis war für die Chinesen ganz offensichtlich kein Grund, sich in ihrem unerschütterlichen Alltag unterbrechen zu lassen.
23.Juli: Another day, anoher country
Unter der unerträglichen schwühlen Hitze erkundeten wir am folgenden Tag das Stadtviertel, in das es uns verschlagen hatte. Es waren nur wenige Menschen unter der heißen Sonne unterwegs, die in einer gleichgültigen Gemächlichkeit die Straßen entlang schlurften. Vor den zahlreichen kleinen Geschäften, die sich halb auf den Gehweg ausbreiteten, saßen oder lagen ihre Besitzer und schlummerten vor sich hin, oder wedelten sich mit Fächern müde warme Luft ins Gesicht.
Langsam arbeiteten wir uns zu den Hochhäusern durch, die Shanghais ganzer Stolz sind. Das Geschäftsviertel Pudong ist in weniger als zwanzig Jahren aus dem Boden geschossen und trägt einen großen Teil dazu bei, daß Shanghai heute als das New York Chinas bekannt ist. Durch seine praktische Lage an Meer und Fluß wurde die Stadt sehr bald zu einem Zentrum regen Kulturaustauschs und Handels, was bereits seit meheren Jahrhunderten dafür sorgt, daß sie wirtschaftlich sehr fortgeschritten und dadurch sehr westlich wirkt, worauf die Chinesen natürlich unglaublich stolz sind.
Am Abend, als es endlich begann wieder ein ganz klein wenig kühler zu werden, machten wir uns auf, die Sicht des bis vor kurzem noch höchsten Hochhauses Shanghais, dem JinMao Tower zu bestaunen und wurden mit einem Blick auf die nächtlich beleuchtete und mit hunderten Lichteffeckten hemmungslos verspielt wirkende Großstadt belohnt. Überall blitzen und blinkten die Lichter an den zahlreichen Wolkenkratzern, während die älteren Gebäude überall mit Lichterketten verziert waren.
Am nächsten Morgen hieß es wieder umziehen, in die andere Seite der Stadt, ins richtige Leben. Schon fast routiniert spazierten wir in die U-Bahn, fanden dank der englischen Untertitel auch ohne Schwierigkeiten die richtige Linie und Richtung und bald darauf auch unser neues zu Hause, es war schon fast langweilig einfach. Es folgte ein Besuch in der französischen Konzession, einem schicken Stadtteil mit vielen kleinen Cafes und Designerläden und im Yuyuan (?) Garten, wo wir endlich Gelegenheit bekamen unsere ersten Feilschkenntnisse zu erringen. In auf historisch herausgeputzten traditionell chinesischen Häusern, reihten sich hunderte von kleinen Souvenirläden in nicht enden wollenden Ketten aneinander. Nach dem erfolgreichen Erwerb eines viel zu teuren, aber sehr leckeren Tees, erstand ich noch einen Faächer, der bei diesem Wetter auch tatsächlich hin und wieder zum Einsatz kommt bereits nur noch für ein Viertel des angegebenen Preises. Ein sehr elegantes, traditionelles Satinoberteil lehnte ich trotz beständiger Preissenkungen dankend ab und das, obwohl mir die Verkäuferin bis auf die Straße nachfolgte, um mir ihr anfangs für 26 € angepriesenes Gewand nun bereits für 8 € hinterher zu tragen. Wenn ich es gewollt hätte, wäre ich ehrlich gesagt nicht mal im Traum darauf gekommen, so wenig anzubieten, aber nun weiß ich Bescheid und wehe, wenn bei unserer Ankunft in Peking noch Geld übrig ist...
Mit dem hereinziehenden Abend wurden überall Leuchtketten eingeschaltet, die sich an den Dächern und Brücken entlangzogen. Da konnte nicht mal der Freiburger Weihnachtsmarkt mithalten. Und weil man uns gesagt hatte, daß lange Schlangen ein deutliches Zeichen für gutes Essen seien, erwarben wir nach stundenlangem Anstehen ein leckeres, kleines Abendessen an einem, bis auf die endlose Schlange sehr unscheinbaren Straßenstand. Eine Art gefüllter Pastataschen, in Brühe gedampft. Lecker! Aber, ob ich dafür wirklich nochmal eine gute Stunde in der noch immer drückenden Abendhitze stehen wollte, fiel mir schwer über dem Essen zu entscheiden, denn denken ist bei den Temperaturen nicht gerade die leichteste Übung. Und so werde ich es einfach der nächsten Gelegenheit überlassen das zu entscheiden, oder einfach Franziska vorschicken und mich solange irgendwo auf eine Treppe, oder den Boden setzen und mir müde warme Luft ins Gesicht fächeln, das T- Shirt über den Bauch hochegerollt und ein Handtuch auf dem Kopf. So wie das hier jeder macht.
Für den letzten Tag in Shanghai hatten wir bereits von dem Chinesen in unserem Zimmer gelernt. Er ist am Morgen mit uns und den restlichen Zimmergenossen frühstücken gegangen. Ein kleiner Straßenstand mit zwei wackeligen Tischen und ein paar noch wackeligeren Hockern, die den Gehweg völlig einnahmen. Überall lagen Servietten und Zigarettenstummel auf dem Boden herum, aber das Essen war gut. Nagut, interessant. Eine Art frittiertes Brot, fettig aber lecker und eine undefinierbare Suppe aus einer Art Sojabohnenpudding mit den wüstesten Gewürzen und Gemüsesorten darin. Am Anfang hat das Interesse noch überwogen und ich war kurz davor zu meinen, es sei sogar ganz lecker, aber sehr bald wurde der Geschmack so dominant, daß ich mich wieder von meiner ursprünglichen Meinung abwandte und beschloss, daß es nicht allzu schlimm ist, wenn ich das nicht nochmal zum Frühstück vorgesetzt bekomme.
Daraufhin verkrochen wir uns erst einmal wieder in unsere Betten und lungerten, oder schlummerten den Tag über vor uns hin, bevor wir gegen 5 Uhr nocheinmal aufbrachen. Anlaß war wieder der Chinese, der kurz meinte, er gehe jetzt was essen. Wir sprangen auf und folgten unauffällig. Wieder landeten wir in einem kleinen Straßenrestaurant. Wie einfach es sein kann, essen zu bestellen. Als es langsam Abend wurde, wagten wir uns auch für ein Weilchen länger hinaus und so sahen wir noch einige Einkaufsstraßen, auf die Shanghaianer sehr stolz sind, die für uns aber nur zu vertraut an die großen, europäischen selben erinnern. Nicht nur die Läden und Marken sind die Gleichen, sondern entäuschenderweise auch die Preise. Und wenn man bei H&M anfängt seine neu erworbenen Handelkünste auszupacken, wird man nur abfällig von der Seite angeschaut und weiterhin ignoriert. Spannender ist es dann schon in der in den Metrogängen einen kleinen Kiosk zu suchen und sich dort eine SIM-Karte zu kaufen. Der kleine, chinesische Sprachführer hat alles, was zur grundlegenden Verständigung nötig ist und nachdem Franziska mühsam die richtigen Buchstaben der Lautsprache aneinandergereiht hatte, um nach dem Preis zu fragen, fing der Verkäufer erst einmal an laut zu lachen, drehte sich dann aber um und holte seinen Taschenrechner, um den Preis einzutippen.
Auf dem Heimweg begegneten uns die bisher versteckt gebliebenen Menschenmassen. Mitgenommen vom Strom zogen wir die Straßen entlang, hielten vor chaotischen Unmengen an Motorad, Fahrrad und Taxifahrern an den Kreuzungen und wimmelten unwirsch die vielen kleinen Straßenhändler ab, die uns immer wieder ihre Ware auf kleinen Bildchen anpriesen, die sie uns vor die Nase hielten, während riesige Leuchtwerbetafeln an allen Ecken fröhlich vor sich hin flimmerten. Alle Läden hatten bis nach zehn Uhr geöffnet und waren überfüllt. Hier findet das Leben in der Nacht statt.
Zur Feier des letzten Abends in Shanghai gingen wir abschließend noch in einer sehr eleganten, gemütlichen Bar mit Blick auf die nächtliche Stadt einen Coctail trinken. Als wir gegen eins in unser Zimmer kamen, waren wir die ersten. Für alle anderen hatte der Abend gerade erst begonnen.
Langsam arbeiteten wir uns zu den Hochhäusern durch, die Shanghais ganzer Stolz sind. Das Geschäftsviertel Pudong ist in weniger als zwanzig Jahren aus dem Boden geschossen und trägt einen großen Teil dazu bei, daß Shanghai heute als das New York Chinas bekannt ist. Durch seine praktische Lage an Meer und Fluß wurde die Stadt sehr bald zu einem Zentrum regen Kulturaustauschs und Handels, was bereits seit meheren Jahrhunderten dafür sorgt, daß sie wirtschaftlich sehr fortgeschritten und dadurch sehr westlich wirkt, worauf die Chinesen natürlich unglaublich stolz sind.
Am Abend, als es endlich begann wieder ein ganz klein wenig kühler zu werden, machten wir uns auf, die Sicht des bis vor kurzem noch höchsten Hochhauses Shanghais, dem JinMao Tower zu bestaunen und wurden mit einem Blick auf die nächtlich beleuchtete und mit hunderten Lichteffeckten hemmungslos verspielt wirkende Großstadt belohnt. Überall blitzen und blinkten die Lichter an den zahlreichen Wolkenkratzern, während die älteren Gebäude überall mit Lichterketten verziert waren.
Am nächsten Morgen hieß es wieder umziehen, in die andere Seite der Stadt, ins richtige Leben. Schon fast routiniert spazierten wir in die U-Bahn, fanden dank der englischen Untertitel auch ohne Schwierigkeiten die richtige Linie und Richtung und bald darauf auch unser neues zu Hause, es war schon fast langweilig einfach. Es folgte ein Besuch in der französischen Konzession, einem schicken Stadtteil mit vielen kleinen Cafes und Designerläden und im Yuyuan (?) Garten, wo wir endlich Gelegenheit bekamen unsere ersten Feilschkenntnisse zu erringen. In auf historisch herausgeputzten traditionell chinesischen Häusern, reihten sich hunderte von kleinen Souvenirläden in nicht enden wollenden Ketten aneinander. Nach dem erfolgreichen Erwerb eines viel zu teuren, aber sehr leckeren Tees, erstand ich noch einen Faächer, der bei diesem Wetter auch tatsächlich hin und wieder zum Einsatz kommt bereits nur noch für ein Viertel des angegebenen Preises. Ein sehr elegantes, traditionelles Satinoberteil lehnte ich trotz beständiger Preissenkungen dankend ab und das, obwohl mir die Verkäuferin bis auf die Straße nachfolgte, um mir ihr anfangs für 26 € angepriesenes Gewand nun bereits für 8 € hinterher zu tragen. Wenn ich es gewollt hätte, wäre ich ehrlich gesagt nicht mal im Traum darauf gekommen, so wenig anzubieten, aber nun weiß ich Bescheid und wehe, wenn bei unserer Ankunft in Peking noch Geld übrig ist...
Mit dem hereinziehenden Abend wurden überall Leuchtketten eingeschaltet, die sich an den Dächern und Brücken entlangzogen. Da konnte nicht mal der Freiburger Weihnachtsmarkt mithalten. Und weil man uns gesagt hatte, daß lange Schlangen ein deutliches Zeichen für gutes Essen seien, erwarben wir nach stundenlangem Anstehen ein leckeres, kleines Abendessen an einem, bis auf die endlose Schlange sehr unscheinbaren Straßenstand. Eine Art gefüllter Pastataschen, in Brühe gedampft. Lecker! Aber, ob ich dafür wirklich nochmal eine gute Stunde in der noch immer drückenden Abendhitze stehen wollte, fiel mir schwer über dem Essen zu entscheiden, denn denken ist bei den Temperaturen nicht gerade die leichteste Übung. Und so werde ich es einfach der nächsten Gelegenheit überlassen das zu entscheiden, oder einfach Franziska vorschicken und mich solange irgendwo auf eine Treppe, oder den Boden setzen und mir müde warme Luft ins Gesicht fächeln, das T- Shirt über den Bauch hochegerollt und ein Handtuch auf dem Kopf. So wie das hier jeder macht.
Für den letzten Tag in Shanghai hatten wir bereits von dem Chinesen in unserem Zimmer gelernt. Er ist am Morgen mit uns und den restlichen Zimmergenossen frühstücken gegangen. Ein kleiner Straßenstand mit zwei wackeligen Tischen und ein paar noch wackeligeren Hockern, die den Gehweg völlig einnahmen. Überall lagen Servietten und Zigarettenstummel auf dem Boden herum, aber das Essen war gut. Nagut, interessant. Eine Art frittiertes Brot, fettig aber lecker und eine undefinierbare Suppe aus einer Art Sojabohnenpudding mit den wüstesten Gewürzen und Gemüsesorten darin. Am Anfang hat das Interesse noch überwogen und ich war kurz davor zu meinen, es sei sogar ganz lecker, aber sehr bald wurde der Geschmack so dominant, daß ich mich wieder von meiner ursprünglichen Meinung abwandte und beschloss, daß es nicht allzu schlimm ist, wenn ich das nicht nochmal zum Frühstück vorgesetzt bekomme.
Daraufhin verkrochen wir uns erst einmal wieder in unsere Betten und lungerten, oder schlummerten den Tag über vor uns hin, bevor wir gegen 5 Uhr nocheinmal aufbrachen. Anlaß war wieder der Chinese, der kurz meinte, er gehe jetzt was essen. Wir sprangen auf und folgten unauffällig. Wieder landeten wir in einem kleinen Straßenrestaurant. Wie einfach es sein kann, essen zu bestellen. Als es langsam Abend wurde, wagten wir uns auch für ein Weilchen länger hinaus und so sahen wir noch einige Einkaufsstraßen, auf die Shanghaianer sehr stolz sind, die für uns aber nur zu vertraut an die großen, europäischen selben erinnern. Nicht nur die Läden und Marken sind die Gleichen, sondern entäuschenderweise auch die Preise. Und wenn man bei H&M anfängt seine neu erworbenen Handelkünste auszupacken, wird man nur abfällig von der Seite angeschaut und weiterhin ignoriert. Spannender ist es dann schon in der in den Metrogängen einen kleinen Kiosk zu suchen und sich dort eine SIM-Karte zu kaufen. Der kleine, chinesische Sprachführer hat alles, was zur grundlegenden Verständigung nötig ist und nachdem Franziska mühsam die richtigen Buchstaben der Lautsprache aneinandergereiht hatte, um nach dem Preis zu fragen, fing der Verkäufer erst einmal an laut zu lachen, drehte sich dann aber um und holte seinen Taschenrechner, um den Preis einzutippen.
Auf dem Heimweg begegneten uns die bisher versteckt gebliebenen Menschenmassen. Mitgenommen vom Strom zogen wir die Straßen entlang, hielten vor chaotischen Unmengen an Motorad, Fahrrad und Taxifahrern an den Kreuzungen und wimmelten unwirsch die vielen kleinen Straßenhändler ab, die uns immer wieder ihre Ware auf kleinen Bildchen anpriesen, die sie uns vor die Nase hielten, während riesige Leuchtwerbetafeln an allen Ecken fröhlich vor sich hin flimmerten. Alle Läden hatten bis nach zehn Uhr geöffnet und waren überfüllt. Hier findet das Leben in der Nacht statt.
Zur Feier des letzten Abends in Shanghai gingen wir abschließend noch in einer sehr eleganten, gemütlichen Bar mit Blick auf die nächtliche Stadt einen Coctail trinken. Als wir gegen eins in unser Zimmer kamen, waren wir die ersten. Für alle anderen hatte der Abend gerade erst begonnen.
20. Juli: Vom Land der 20 Millionen in die Stadt der 20 Millionen
Das Flugzeug hob in einen klarblauen Morgenhimmel ab und ein letztes Mal breitete sich die wunderschöne, glitzernde, blaue Stadt Sydney unter uns aus. Ein Stück Heimat, das zu verlassen ein schmerzhaftes Gefühl von Unwiederbringlichkeit in mir aufkommen ließ.
Nach bereits stundenlangem Flug ging es noch immer über vertrautrote, trockene Wüsten hinweg, hin zum tiefen Blau und Grün der nördlichen Küste, durchzogen von strahlendem Weiß der Strände. Kleine, grüne Inseln bildeten idyllische Punkte im klarblauen Meer und so zogen langsam die äußersten Zipfel der riesigen Insel unter mir hinweg und davon.
Ob es ein Wiedersehen geben wird?
Weitere viele Stunden später wurden die Passagiere gebeten, sich wieder auf die Sitze zu begeben, und die Landung in Shanghai vorbereitet. Ein Blick aus dem Fenster zeigte gleichmäßiges Grau, das sich selbstbewußt in alle Richtungen ausbreitete. Erst später, keine fünf Minuten vor der Landung wurden die Umrisse eines riesigen, braungrauen Flusses sichtbar, aufgewühlt vom hektischen Treiben unzähliger Schlepper, die sich ihren Weg durch das trübe Naß suchten. An den Ufern erhoben sich alte, halb abgerissene Fabrikgebäude und in der Ferne tauchten nach und nach lange, gerade Straßen mit langen, geraden Häuserreihen auf, die sich zu beiden Seiten gen Himmel vorarbeiteten.
Zwei weitere Stunden später standen wir nach überraschend nachlässigen Sicherheitskontrollen auf dem Flughafenvorplatz und schauten uns orientierungslos nach einem möglicherweise richtigen Bus um.
Eine Minute später standen wir von oben bis unten naßgeschwitzt am gleichen Fleck und beschlossen, doch erst noch mal von drinnen aus weiter zu suchen.
Eine halbe Stunde später saßen wir dann tatsächlich in einem fahrenden Bus und schauten unsicher den vorbeiziehenden Straßenschildern und riesigen Leuchtreklamen nach. Das war natürlich absolut nutzlos, da wir ohnehin nichts lesen, geschweige denn verstehen konnten. Aber der Versuch in den lustigen und vielseitigen Zeichen irgendwelche verschlüsselten Botschaften zu entdecken, lenkte uns wenigstens eine kurze Weile lang von unserer totalen Unsicherheit ab. Da aber der Busfahrer zu wissen schien, wohin er fuhr, wurde ich allmählich ruhiger und fast ein wenig stolz noch nicht völlig hoffnungslos in irgendeiner dunklen Straßenecke zu sitzen und vor mich hin zu verzweifeln. Gerade zu der Zeit, fiel es dem Bus ein, an einer Haltestelle nicht mehr anzuspringen und nach einigen Minuten lauten, unfreundlichen Stimmengewirrs wurde das mühsam beruhigte Herz wieder nervös, bis irgendwann alle begannen auszusteigen. Wir folgten unauffällig der Masse und landeten in einem anderen Bus, der uns nach einer weiteren 20 minütigen Fahrt dann auch tatsächlich an der gewünschten Haltestelle rausließ.
Na super, das war ja ganz einfach. Jetzt müssen wir nur noch das Hostel finden.
Ein Taxi? Ach was, das schaffen wir auch so. So groß wird Shanghai schon nicht sein.
Nach einer halbstündigen Wanderung durch die dunklen, heißen Straßen, wagten wir es dann aber doch und hielten dem hilflosen Taxifahrer den Laptop mit der darin aufgeschriebenen chinesischen Adresse vor die Nase, die uns Philipp, der Freund eines Freundes der hier lebt, dankbarerweise zugeschickt hat. Ich weiß nicht genau, was da aufgeschrieben stand, jedenfalls zeigte der Fahrer energisch in eine von Baustellen durchzogene Straße und fuhr dann ohne uns davon. Na gut. Wir folgten dem Hinweis und der Straße und fragten schließlich noch einen vorüberkommenden Passanten mit der gleichen hilflos, wortlosen Laptoptechnik. Nach eingängigem Studium des Aufgeschriebenen, bedeutete er uns, ihm zu folgen. Hatten wir eine andere Wahl?
Und wer hätte es gedacht. Keine zwei Minuten später fanden wir tatsächlich ein trübbeleuchtetes Herbergszeichen über einer noch trüber beleuchteten Seitengasse, der es uns zu folgen bedeutete.
Unsicheren Schrittes gelangten wir heil ans andere Ende der Gasse und vor uns tat sich eine völlig andere Welt auf.
Ein heller Hof, mit gemütlichen Sitzplätzen, eine hell beleuchtete Rezeption, die uns freundlich empfing. Dieses Hostel hatte einen weit besseren Standard, als die meisten australischen Vertreter.
Die Zimmer hell, die Betten groß, die Bäder sauber und alles so unglaublich günstig.
Wir hatten es geschafft! Shanghai war auf unserer Seite!
Jetzt hieß es etwas gegen den Hunger tun.
Im nahen Shop standen zahlreiche Fertigsuppen und undefinierbare andere Leckereien zum Angebot. Trinken wär auch nicht schlecht. Ob chinesische Fanta genauso schmeckt, wie zu Hause? Oder doch lieber erstmal nur Wasser. Ist das auch wirklich Wasser? Oh, und ein wenig Milch wär doch eigentlich auch nicht schlecht. Ja, das könnte Milch sein... das Ablaufdatum ist auch erst von gestern, das klingt doch gut. Besser zumindest, als der Joghurt mit dem Datum von vor zwei Monaten...
Alles wird hier zum Abenteuer.
Nach bereits stundenlangem Flug ging es noch immer über vertrautrote, trockene Wüsten hinweg, hin zum tiefen Blau und Grün der nördlichen Küste, durchzogen von strahlendem Weiß der Strände. Kleine, grüne Inseln bildeten idyllische Punkte im klarblauen Meer und so zogen langsam die äußersten Zipfel der riesigen Insel unter mir hinweg und davon.
Ob es ein Wiedersehen geben wird?
Weitere viele Stunden später wurden die Passagiere gebeten, sich wieder auf die Sitze zu begeben, und die Landung in Shanghai vorbereitet. Ein Blick aus dem Fenster zeigte gleichmäßiges Grau, das sich selbstbewußt in alle Richtungen ausbreitete. Erst später, keine fünf Minuten vor der Landung wurden die Umrisse eines riesigen, braungrauen Flusses sichtbar, aufgewühlt vom hektischen Treiben unzähliger Schlepper, die sich ihren Weg durch das trübe Naß suchten. An den Ufern erhoben sich alte, halb abgerissene Fabrikgebäude und in der Ferne tauchten nach und nach lange, gerade Straßen mit langen, geraden Häuserreihen auf, die sich zu beiden Seiten gen Himmel vorarbeiteten.
Zwei weitere Stunden später standen wir nach überraschend nachlässigen Sicherheitskontrollen auf dem Flughafenvorplatz und schauten uns orientierungslos nach einem möglicherweise richtigen Bus um.
Eine Minute später standen wir von oben bis unten naßgeschwitzt am gleichen Fleck und beschlossen, doch erst noch mal von drinnen aus weiter zu suchen.
Eine halbe Stunde später saßen wir dann tatsächlich in einem fahrenden Bus und schauten unsicher den vorbeiziehenden Straßenschildern und riesigen Leuchtreklamen nach. Das war natürlich absolut nutzlos, da wir ohnehin nichts lesen, geschweige denn verstehen konnten. Aber der Versuch in den lustigen und vielseitigen Zeichen irgendwelche verschlüsselten Botschaften zu entdecken, lenkte uns wenigstens eine kurze Weile lang von unserer totalen Unsicherheit ab. Da aber der Busfahrer zu wissen schien, wohin er fuhr, wurde ich allmählich ruhiger und fast ein wenig stolz noch nicht völlig hoffnungslos in irgendeiner dunklen Straßenecke zu sitzen und vor mich hin zu verzweifeln. Gerade zu der Zeit, fiel es dem Bus ein, an einer Haltestelle nicht mehr anzuspringen und nach einigen Minuten lauten, unfreundlichen Stimmengewirrs wurde das mühsam beruhigte Herz wieder nervös, bis irgendwann alle begannen auszusteigen. Wir folgten unauffällig der Masse und landeten in einem anderen Bus, der uns nach einer weiteren 20 minütigen Fahrt dann auch tatsächlich an der gewünschten Haltestelle rausließ.
Na super, das war ja ganz einfach. Jetzt müssen wir nur noch das Hostel finden.
Ein Taxi? Ach was, das schaffen wir auch so. So groß wird Shanghai schon nicht sein.
Nach einer halbstündigen Wanderung durch die dunklen, heißen Straßen, wagten wir es dann aber doch und hielten dem hilflosen Taxifahrer den Laptop mit der darin aufgeschriebenen chinesischen Adresse vor die Nase, die uns Philipp, der Freund eines Freundes der hier lebt, dankbarerweise zugeschickt hat. Ich weiß nicht genau, was da aufgeschrieben stand, jedenfalls zeigte der Fahrer energisch in eine von Baustellen durchzogene Straße und fuhr dann ohne uns davon. Na gut. Wir folgten dem Hinweis und der Straße und fragten schließlich noch einen vorüberkommenden Passanten mit der gleichen hilflos, wortlosen Laptoptechnik. Nach eingängigem Studium des Aufgeschriebenen, bedeutete er uns, ihm zu folgen. Hatten wir eine andere Wahl?
Und wer hätte es gedacht. Keine zwei Minuten später fanden wir tatsächlich ein trübbeleuchtetes Herbergszeichen über einer noch trüber beleuchteten Seitengasse, der es uns zu folgen bedeutete.
Unsicheren Schrittes gelangten wir heil ans andere Ende der Gasse und vor uns tat sich eine völlig andere Welt auf.
Ein heller Hof, mit gemütlichen Sitzplätzen, eine hell beleuchtete Rezeption, die uns freundlich empfing. Dieses Hostel hatte einen weit besseren Standard, als die meisten australischen Vertreter.
Die Zimmer hell, die Betten groß, die Bäder sauber und alles so unglaublich günstig.
Wir hatten es geschafft! Shanghai war auf unserer Seite!
Jetzt hieß es etwas gegen den Hunger tun.
Im nahen Shop standen zahlreiche Fertigsuppen und undefinierbare andere Leckereien zum Angebot. Trinken wär auch nicht schlecht. Ob chinesische Fanta genauso schmeckt, wie zu Hause? Oder doch lieber erstmal nur Wasser. Ist das auch wirklich Wasser? Oh, und ein wenig Milch wär doch eigentlich auch nicht schlecht. Ja, das könnte Milch sein... das Ablaufdatum ist auch erst von gestern, das klingt doch gut. Besser zumindest, als der Joghurt mit dem Datum von vor zwei Monaten...
Alles wird hier zum Abenteuer.
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