Das Flugzeug hob in einen klarblauen Morgenhimmel ab und ein letztes Mal breitete sich die wunderschöne, glitzernde, blaue Stadt Sydney unter uns aus. Ein Stück Heimat, das zu verlassen ein schmerzhaftes Gefühl von Unwiederbringlichkeit in mir aufkommen ließ.
Nach bereits stundenlangem Flug ging es noch immer über vertrautrote, trockene Wüsten hinweg, hin zum tiefen Blau und Grün der nördlichen Küste, durchzogen von strahlendem Weiß der Strände. Kleine, grüne Inseln bildeten idyllische Punkte im klarblauen Meer und so zogen langsam die äußersten Zipfel der riesigen Insel unter mir hinweg und davon.
Ob es ein Wiedersehen geben wird?
Weitere viele Stunden später wurden die Passagiere gebeten, sich wieder auf die Sitze zu begeben, und die Landung in Shanghai vorbereitet. Ein Blick aus dem Fenster zeigte gleichmäßiges Grau, das sich selbstbewußt in alle Richtungen ausbreitete. Erst später, keine fünf Minuten vor der Landung wurden die Umrisse eines riesigen, braungrauen Flusses sichtbar, aufgewühlt vom hektischen Treiben unzähliger Schlepper, die sich ihren Weg durch das trübe Naß suchten. An den Ufern erhoben sich alte, halb abgerissene Fabrikgebäude und in der Ferne tauchten nach und nach lange, gerade Straßen mit langen, geraden Häuserreihen auf, die sich zu beiden Seiten gen Himmel vorarbeiteten.
Zwei weitere Stunden später standen wir nach überraschend nachlässigen Sicherheitskontrollen auf dem Flughafenvorplatz und schauten uns orientierungslos nach einem möglicherweise richtigen Bus um.
Eine Minute später standen wir von oben bis unten naßgeschwitzt am gleichen Fleck und beschlossen, doch erst noch mal von drinnen aus weiter zu suchen.
Eine halbe Stunde später saßen wir dann tatsächlich in einem fahrenden Bus und schauten unsicher den vorbeiziehenden Straßenschildern und riesigen Leuchtreklamen nach. Das war natürlich absolut nutzlos, da wir ohnehin nichts lesen, geschweige denn verstehen konnten. Aber der Versuch in den lustigen und vielseitigen Zeichen irgendwelche verschlüsselten Botschaften zu entdecken, lenkte uns wenigstens eine kurze Weile lang von unserer totalen Unsicherheit ab. Da aber der Busfahrer zu wissen schien, wohin er fuhr, wurde ich allmählich ruhiger und fast ein wenig stolz noch nicht völlig hoffnungslos in irgendeiner dunklen Straßenecke zu sitzen und vor mich hin zu verzweifeln. Gerade zu der Zeit, fiel es dem Bus ein, an einer Haltestelle nicht mehr anzuspringen und nach einigen Minuten lauten, unfreundlichen Stimmengewirrs wurde das mühsam beruhigte Herz wieder nervös, bis irgendwann alle begannen auszusteigen. Wir folgten unauffällig der Masse und landeten in einem anderen Bus, der uns nach einer weiteren 20 minütigen Fahrt dann auch tatsächlich an der gewünschten Haltestelle rausließ.
Na super, das war ja ganz einfach. Jetzt müssen wir nur noch das Hostel finden.
Ein Taxi? Ach was, das schaffen wir auch so. So groß wird Shanghai schon nicht sein.
Nach einer halbstündigen Wanderung durch die dunklen, heißen Straßen, wagten wir es dann aber doch und hielten dem hilflosen Taxifahrer den Laptop mit der darin aufgeschriebenen chinesischen Adresse vor die Nase, die uns Philipp, der Freund eines Freundes der hier lebt, dankbarerweise zugeschickt hat. Ich weiß nicht genau, was da aufgeschrieben stand, jedenfalls zeigte der Fahrer energisch in eine von Baustellen durchzogene Straße und fuhr dann ohne uns davon. Na gut. Wir folgten dem Hinweis und der Straße und fragten schließlich noch einen vorüberkommenden Passanten mit der gleichen hilflos, wortlosen Laptoptechnik. Nach eingängigem Studium des Aufgeschriebenen, bedeutete er uns, ihm zu folgen. Hatten wir eine andere Wahl?
Und wer hätte es gedacht. Keine zwei Minuten später fanden wir tatsächlich ein trübbeleuchtetes Herbergszeichen über einer noch trüber beleuchteten Seitengasse, der es uns zu folgen bedeutete.
Unsicheren Schrittes gelangten wir heil ans andere Ende der Gasse und vor uns tat sich eine völlig andere Welt auf.
Ein heller Hof, mit gemütlichen Sitzplätzen, eine hell beleuchtete Rezeption, die uns freundlich empfing. Dieses Hostel hatte einen weit besseren Standard, als die meisten australischen Vertreter.
Die Zimmer hell, die Betten groß, die Bäder sauber und alles so unglaublich günstig.
Wir hatten es geschafft! Shanghai war auf unserer Seite!
Jetzt hieß es etwas gegen den Hunger tun.
Im nahen Shop standen zahlreiche Fertigsuppen und undefinierbare andere Leckereien zum Angebot. Trinken wär auch nicht schlecht. Ob chinesische Fanta genauso schmeckt, wie zu Hause? Oder doch lieber erstmal nur Wasser. Ist das auch wirklich Wasser? Oh, und ein wenig Milch wär doch eigentlich auch nicht schlecht. Ja, das könnte Milch sein... das Ablaufdatum ist auch erst von gestern, das klingt doch gut. Besser zumindest, als der Joghurt mit dem Datum von vor zwei Monaten...
Alles wird hier zum Abenteuer.
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