Gegen Mittag rollte der Zug unter der angenehm trockenen, mongolischen Sonne in Ulaan- Baatar ein. Ich hatte mich mittlerweile schon so sehr an die warme, kuschelige Masse der immer presenten, Chinesen gewöhnt, dass ich mich in der überschaubaren Anzahl Wartender am Bahnhof fast ein wenig einsam fühlte.
Im Minibus der Gasthauses allerdings wurde es wieder vertrauter und wir fuhren eng aneinander gedrückt über holprige Straßen zu unserem Ziel im Stadtzentrum. Hier schien es noch weniger Verkehrsregeln zu geben, als in China und mit der gleichen Willkür, mit der die Lenkräder der Autos mal rechts und mal links angeordnet waren, wurden wir von allen Seiten überholt und eingekeilt, während sich unser Fahrer geduldig den Weg durch die Baustellen suchte.
Im Gasthaus selbst herrschte das gleiche Chaos, wie auf der Straße über die Frage der Belegung der Betten und Verteilung auf Freunde und Bekannte in der Nachbarschaft, welche mit der gleichen Gelassenheit ausgehalten und gelöst wurde, denn am Bahnhof waren ersteinmal alle eingesammelt und mitgenommen wurden, die so aussahen, als könnten sie Hilfe brauchen. Über Taschen und Schuhe hinweg wurde zwischendurch Tee ausgeteilt und irgendwie fühlte ich mich, als wäre ich nach langer Zeit bei guten Freunden zu Besuch.
Die Stadt selbt ist eine Mischung aus chinesischem Verkehrs und Baustellenchaos, der Flimmerreklame und kleinen Lädchen und der sozialistischen Plattenbauordnung, die mir aus einem früheren Russlandaufenthalt noch in Erinnerung war. Und zwischendrin, hinter wackeligen Holzzäunen, schauten überall die weißen Jurten hervor und verwandelten Teile der Stadt in einen ewigen Zeltplatz. Die Gesichter der Mongolen waren zwar sehr asiatisch, aber herber und markanter, als die der Chinesen und ich fühlte mich endlich nicht mehr ganz so riesig unter ihnen.
Bereits am nächsten Morgen verließen wir die Stadt wieder, um uns nach Harhorum aufzumachen, der alten Hauptstadt der Mongolei. Acht Stunden Busfahrt mal auf der geteerten Straße, häufiger aber auf holprigen Feldwegen daneben, weil die eigentliche Straße noch im Bau war. Erst auf der Rückfahrt erkannten wir, welcher Luxus es war, einen ganzen Sitzplatz für sich allein zu haben.
Der Bus war bis auf den letzten Platz ausgefüllt, überall zwischen, hinter und unter den Bänken stapelte sich das Gepäck und unzählige gelbe Plastikcontainer, in denen eine hochexplosive Flüssigkeit transportiert wurde: Airag, ein, wie ich finde, scheußliches Getränk aus gegorener Milch, was von den Mongolen allerdings heiß geliebt ist und somit als Souvenir, oder auch für den Eigenbedarf überall hin mitgenommen wird. So wurde jeder für sich durchgeschüttelt und auch wenn wir sicher noch immer sehr exotisch auf die hiesigen Menschen wirken mussten, so wurden wir doch weitgehend hingenommen, oder ignoriert. Und so war es dann schon etwas verwunderlich, als wir plötzlich angesprochen wurden, mit der Frage, woher wir kommen würden. Nach unserer Antwort allerdings, schien der Fragende bereits zufrieden zu sein und lehnte sich wieder zu einem Telefongespräch zurück, bis er drei Minuten später Franziska ohne weitere Erklärung sein Telefon in die Hand drückte. Es war seine Schwester, die ein wenig Englisch sprach und uns in ihre Jurte einlud. Da wir aber hofften, eine dreitägige Tour durchs Landesinnere mit dem Inhaber eines Gasthauses machen zu können, das uns von einem Bekannten in Peking empfohlen worden war, lehnten wir die Einladung dankend ab.
Samstag, 22. August 2009
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