Mittwoch, 25. März 2009

Blue Mountains

Mit den neuen Erkenntnissen der Koalas ausgerüstet, machten wir uns am Samstag Mittag auf den Weg in die „Blue Mountains“.
Etwa eineinhalb Stunden landeinwärts von Sydney, erstrecken sich über endlos weite Flächen Eukalyptus- und Farnbaumwälder, durchzogen von hunderten kleinen Bächen und Wasserfällen, die von den hohen, roten Sandsteinfelsen, die überall dazwischen aufragen und rundherum schützende Mauern bilden, stürzen, oder tropfen. Überall quirllt und sprießt das Leben und man hört die seltsamsten Geräusche aus den hohen Bäumen zu einem herunter wehen. Vögel in den verschiedensten Farben und Größen unterhalten sich dort munter, fröhlich, aufgeregt, ärgerlich, schwatzend, oder unbeschwert plappernd.
Trotz der vielen Touristen, vor allem an einem so sonnig, frischen Sonntag, ist jeder Augenblick ein Erlebnis, auch wenn das Erlebnis teilweise darin besteht, so manch einem viel zu dicken Sonntagsspaziergänger beim planschen im parkplatznahen Tümpel zuzuschauen.
Ich habe die gesamte Zugfahrt dorthin verschlafen und ließ mich nur mühsam von Franziska wecken.
Unser Hostel für die erste Nacht war ein altes, etwas heruntergekommenes Hotel, dessen glänzende Tage längst vergangenen Zeiten angehören. Die Dame an der Rezeption schien auch aus einer anderen Welt zu kommen. Welche Welt allerdings, war bei ihr nicht so leicht zu erkennen, wie bei dem Hotel. Sie redete leise und am liebsten dann, wenn sie in die entgegengesetzte Richtung schaute, oder wenn sie merkte, dass sie irgendwas anderes noch schnell erledigen müsse und bereits auf dem Weg dorthin war. Aber wir fanden unsere Zimmer, eingebettet in gelbe Blümchentapete und staubige Vorhänge. Mit Blick auf einen alten, etwas moderigen Tennisplatz, dessen Netz nur noch an vereinzelten Fäden aufgehängt schien. Überall blätterte die graugelbliche Farbe von der Fassade und in den Räumen die Tapete von den Wänden. Im ehemals herrschaftlichen Speisesaal, in dem wir allein unser selbstgekochtes Essen verspeisten, stand ein altes und leider verstimmtes Klavier in dem längst nicht mehr alle Saiten gespannt waren und mit dem Pedal auf Dauerhall bis in alle Ewigkeiten.

Davon ließen wir uns aber nicht abhalten, einen ersten Nachmittagsspaziergang zu machen, der am folgenden Tag um eine volle Tagestour ergänzt wurde.
Es ging entlang an rotem Sandstein, durch lichte, trockene Waldgebiete, die immer wieder den Blick auf die fernen Felsmauern freigaben. Irgendwann ging es endlose Treppenstufen hinab die uns an einigen Wasserfällen und kleinen Rinnsalen vorbei immer weiter in die Tiefe des Regenwaldes führten. Unten angekommen standen wir in einem Wald, der dem europäischen gar nicht so unähnlich ist, nur daß statt Buchen Eukalyptusbäume und statt Kiefern, Farnbäume herumstanden. Auf dieser Ebene ging es dann fast zwei Stunden durch Wasserplätschern und Vogelrufe bis irgendwann wieder eine Treppe auftauchte, die uns dann wieder endlos viele Stufen hinauf in menschliche Gefilde zurückbrachte.


Der Montag sah ganz ähnlich aus. Ein anderer Weg nach gleichem Prinzip nur noch schöner: Erst unzählige, steile Steinstufen hinab, die irgendwann in Metallleitern übergingen und von dort schließlich in Seile, die am Felsen hingen bis zu einem großen Wasserbecken eines großen, vielfältigen Wasserfalls. Für den Weiterweg entschieden wir uns diesmal für einen Weg auf halber Höhe. Immer wieder wechselte das Bild zwischen tropfendem Regenwald und rottrockener Steinwüste. Eben lief man noch über platschende Pfützen und zwischen riesigen Grasbüscheln und wußte vor lauter Kakadugeschrei gar nicht recht, wohin man schauen sollte und eine Kurve weiter glühte bereit wieder die Sonne unbarmherzig auf staubige Felsen herab. Hin und wieder liefen wir sogar unter den Wasserfällen hindurcch, die sich aus schwindelnden Höhen in schwindelnde Tiefen an uns vorbeistürzten.

Am Dienstag Morgen wollten wir dann gar nicht so recht aus den frischen, kühlen Bergen in die glühende Stadt zurück und drückten uns noch den ganzen Vormittag auf der schattigen Terasse des gemütlichen kleinen Hostels herum, in das wir mittlerweile umgezogen waren, aber irgendwann kam unser Zug dann doch und wir kamen dem Ende unseres ersten Aufenthaltes in Sydney wieder ein Stück näher.


Hab ich jetzt aber einen Hunger!
Und dann wird erstmal geschlafen!




4 Kommentare:

  1. Alexander Lehner30. März 2009 um 18:10

    Hier fehlt noch ein Kommentar, deshalb kommentiere ich partiell den letzten Reisebericht:
    Ich mag das Bild mit Deiner (oder Franziskas - kann ich nicht genau sagen) Reflexion in der Scheibe des Aquariums.
    Herzliche Grüße nach Untendrunten (Übers.: down under) von Alex.

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  2. Ich sage das ist Claudia: langer Hals, kurze Haare!

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  3. Ich sage, anonym hat natürlich recht! Ich wurde schließlich gebeten ein paar Fotos von mir selbst reinzustellen und da hab ich das eben auch gleich gemacht : )

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  4. Alexander Lehner5. April 2009 um 19:50

    Ich frage: Was heißt hier natürlich? Ganz so leicht ist es auch wieder nicht, wenn man nicht gerade anonym ist!

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