Also, nun ist hoffentlich auch bei euch der 1.April vergangen und ich kann euch beruhigen. Ganz so war es dann doch nicht und das schlimmste, was mir passiert ist, ist eine kleine Erkältung bei der Übersiedlung in die etwas kühleren Regionen Neuseelands, die sich nun aber auch bereits wieder verzieht. Nun aber noch den Nachtrag zu den letzten Tagen in Sydney.
Und bald gibts auch wieder Fotos!
So langsam kehrte die erste Phase der Erschöpfung bei uns ein. Zurück aus den Blue Mountains in die nun doch nicht mehr ganz unbekannte Stadt, beschlossen wir die noch verbleibenden Tage etwas ruhiger anzugehen.
Den restlichen Dienstag verschliefen, lasen oder schrieben wir bis auf einen kurzen Ausflug mitten hinein nach Kings Cross, der Haupteinkaufsstrasse Sydneys. Das beeindruckendste an dieser Strasse war eigentlich, daß man etwa alle drei Meter auf ein Hostel stieß. An jeder Straßenecke hieß es „Hostel“ oder „Backpackers“ hier entlang, oder in jenen Hinterhof hinein. Auch fanden wir endlich mal einen Laden, in dem sie auch richtig gescheites Brot verkauften. Weil ich nicht genau entziffern konnte was der Name des Brotes war, was ich zu kaufen beabsichtigte, zeigte ich drauf und fragte dann, wie das Brot eigentlich hieße. Darauf bekamen wir die Antwort „it is called 'miesch'“ und sie wisse auch nicht was es bedeute, es sei eben einfach ein Name. Als wir es dann endlich in der Hand hielten, wurde uns die Bedeutung des Namens sehr schnell klar. Es war seit langem mal wieder ein ganz normales Mischbrot! Ich habe es dann auch bereits auf dem Weg zur Hälfte auf gegessen, denn irgendwie habe ich in letzter Zeit immer so einen Hunger. Ob das vom vielen Schlafen kommt?
Den Mittwoch Vormittag hingegen verbrachten wir mit der aufregenden Suche nach den gefährlichen Straßen Sydneys. Nachdem wir dem Hostelvater klargemacht hatten, daß wir die großen Sehenswürdigkeiten doch schon gesehen hatten und nun eher mal das richtige Sydney kennenlernen wollte, hielt er uns erstmal einen im Grunde sehr interessanten Vortrag über die Arbeits und Lebenseinstellung der Australier und daß das eigentlich einzige Problem, was Australien hätte die Arboriginals seien. Einfach weil sie sonst keine Probleme hätten (So zumindest ist es bei mir angekommen) und dann meinte er eben, wenn man überhaupt von armer Gegend sprechen könnte, dann seien es eben diese beiden Straßen, die wir uns anschauen sollten. Sie waren schon aif der Karte sehr klein, aber als wir uns dann auf die Suche nach ihnen machten, konnten wir sie einfach nicht finden. Dafür fanden wir jede Menge anderer, hübscher, kleiner Straßen, in denen man endlich mal wahrnehmen konnte, daß dort Menschen leben. Die Fenster sämtlicher Häuser waren weit geöffnet und überall konnte man Töpfe klappern, Papageien plappern, Kinder lachen, oder Arbeiter schaffen hören und sehen. Mag sein, daß dies auf eine höhere Arbeitslosenzahl hinweist, aber von depressiven, herumhängenden und dem Alkohol verfallenen Arboriginals war einfach weit und breit nichts zu sehen. Entweder haben auch diese Menschen ihren Weg gefunden, oder Sydney hat sie erfolgreich vor uns zu verstecken gewußt.
Am Nachmittag haben wir uns dann endlich mal an den gefahrenumwitterten Bondi Beach gewagt, an dem einige Tage zuvor ein hungriger Hai unterwegs gewesen sein soll.
Es war sehr toll!
Hohe Wellen, riesige weiße Sandstrandflächen, klares, furchtbar salziges Wasser und...
leider kein einziger Hai weit und breit. Und dabei hatte ich doch schon wieder so einen Hunger!
Abends dann hatten wir alle Mühe uns mit unserer spärlichen und eher auf Natur und Wanderungen ausgerichtete Kleidung in Schale zu werfen, um dem Sydney Opera House einen Besuch abzustatten.
Leider gab es keine Plätze mehr für eine Oper und so haben wir stattdessen ein Konzert mit Beethoven, Haydn und Bartok angehört. Da unser Geld leider nur für die billigen Plätze ganz hinten im Saal gereicht hat, erschien das Klavierkonzert Nr.1 von Beethoven ein wenig wie aus dem Fernseher, als aus der wirklichen Welt zu uns herausgeschallt. Nach der Pause nutzeten wir dann die Gelegenheit uns weiter nach vorn zu setzen und plötzlich saßen wir mittendrin im Geschehen. Die Klänge waren klar und unmittelbar und ergreifend. Und, irgendwie hatten sie einen ganz anderen Humor beim Spielen. Nicht, daß sie sich irgendwie in Szene gesetzt hätten, ganz im Gegenteil, aber das Ausreizen der Pausen, der Schlußakkorde, die Leichtigkeit in den Dialogen der beiden Orchester im Bartok... irgendiwe erschien es mir erfrischend unbeschwert.
Danach waren wir eigentlich beide ziemlich müde, so daß wir es nur mit Mühe bis Mitternacht aushielten.
Der Donnerstag selbst stand ganz im dem Zeichen des Koalas: Erstmal ausschlafen, dann sich irgendwie den Weg zum Fischmarkt suchen, und, oh ja, endlich einen Hai verspeisen...ups, da liegt ja wirklich ein Stück Hai...ach nee, so war das doch nicht gemeint...dann eben einen anderen Fisch, dann weiter Richtung Darling Harbour und dort erstmal in den Schatten setzen und ausruhen und Leute beobachten. Franziska hat ein ganz besonderes Interesse für dicke Menschen entwickelt, deren möglicher, kritischer Gesundheitszustand der folgenden 30-70 Jahre mir dann analytisch vorgetragen wird und wie ihre Gangart auf spätere Rückenschmerzen hinweist. Aber zum Glück gibt es ja neben den dicken auch noch die zahlreichen, jungen, sportlichen, männlichen, gut durchtrainierten Menschen, die mit Vorliebe mit nacktem Oberkörper herumlaufen, ach nein, was sage ich, joggen natürlich, so daß dann doch immer mal wieder die Gelegenheit bestand, sie erfolgreich auf ein anderes Thema zu bringen. Irgendwann ging es dann doch wieder weiter im Stadtbummel kreuz und quer durch die Stadt und zur Krönung des Tages, am Abend ins Kino.
Ja, und am Freitag war dann auch nicht mehr soviel drin.
Lange schlafen, Sachen packen, etwa drei Stunden frühstücken (wir haben eine nette Holländerin kennengelernt und übers Gespräch ein wenig die Zeit vergessen), Mittagessen und dann wurde es auch langsam Zeit für den Flughafen. Ja, auch so können ruhig mal ein paar Tage vergehen, bis sich wohl bald auch im Reisen ein gewisser Alltag entwickeln wird, bis man wieder ein bißchen besser weiß, wohin man eigentlich unterwegs ist.
Donnerstag, 2. April 2009
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Das ist nicht witzig, Claudia!!!!!
AntwortenLöschenIch überlege mir ernsthaft weiterzulesen, wenn du nochmal deiner wohlgesonnene Noch-Mitbewohnerin (mit überdurchschnittlichen empathischen Fähigkeiten!) einen solchen Schrecken einjagst!! :-)
Spannend genug sind deine Berichte auch ohne solche Scherze! :-)
Liebe Claudia,
AntwortenLöschenoh Mann - das war also echt nur ein Aprilscherz, ja? Ich war vorhin reichlich schockiert und voll des Mitleids und Sorge um euch....ich komme ja leider nicht so ganz regelmäßig zum Lesen (nach Neuseeland;-) - aber das war doch etwas hart, stell dir vor - oder lieber nicht - so was passierte euch dann irgendwann doch noch...besser nicht heraufbeschwören!
Du schreibst ganz toll und es liest sich fast, als ob man selbst mit dabei sein könnte, mach nachher ein Buch draus, ein Reisebericht mit viel Fantasie (bitte nicht wieder zuviel, aber zum nächsten 1. April seid ihr ja wohl auch schon wieder daheim) - dann kannst du Deine Beiträge nachträglich noch etwas vergolden und das Budget wieder aufpolieren....
Super - weiter so, viel Glück und genießt die Zeit am anderen Ende der Welt!
Gruß, Thomas