Nachträgliches
Viel schneller als mir lieb ist, vergehen die Tage und Wochen und ich vergesse ganz die armen, wartenden Zurückgebliebenen. Aber nun ist es endlich wieder soweit und ich werde mich für Euch nochmal in die wunderschöne, intensive und vor allem Erlebnisreiche Vergangenheit stürzen.
Melbourne
Australien empfing uns auch zum zweiten Mal mit seiner überwältigenden Freundlichkeit. Am Flughafen wurden unsere Schuhe in erstklassigem Service von neuseeländischer Erde befreit und etwa eine Stunde später standen wir etwas eingequetscht in der Straßenbahn in Richtung unserer Bleibe für die Nacht. An jeder Station mußten wir mit unserem Gepäck ein und ausrangieren, wenn jemand aussteigen wollte, was bald das ganze Abteil zu Scherzen anregte, bis wir uns endlich ein wenig ratlos an einer Haltestelle wiederfanden und die Bahn ohne uns in den kühlen Abend weiterfuhr. Aber für Sorgen blieb uns keine Zeit, denn sofort wurden wir von zwei jungen Frauen umsorgt, die sich unserer annahmen und mit Hilfe ihres iPhones übers Internet schnell herausfanden, wohin wir weiterhin zu gehen hätten und uns sicherheitshalber noch ein Stück weit begleiteten. So fanden wir ohne Schwierigkeiten zu unserem Hostel, gleichzeitig ein Irish Pub und leider mit sehr dünnen Wänden und einer etwas seltsamen Ansicht für Sauberkeit, aber zwei Nächte würden wir es schon aushalten und dann würden wir auf jeden Fall nach etwas Gemütlicherem suchen.
Schon der erste Tag in dieser wunderschönen, unendlich vielseitigen Stadt, machte alle Unannehmlichkeiten der Nacht wieder wett. Es tat gut, nach all den Naturerlebnissen in Neuseeland auch mal wieder durch eine richtige Stadt zu gehen, sich in den tausenden Läden mit den ausgefallensten Moden zu verlieren und mit leichtem Erstaunen zurück auf der Straße festzustellen, daß es genug Menschen gibt, die derlei Kleidung auch tragen und daß es eigentlich richtig gut aussieht, da jeder seinen eigenen Stile entwickelt zu haben scheint und Melbourne es an nichts mangeln lässt, was hilft die jeweilige Individualität auszuschmücken.
Schön war es auch, durch die langen, geraden Straßen zu spazieren und dem nicht abbrechenden Menschenstrom entgegen zu blicken, die tausenden Gesichter aus allen Kulturen in sich aufzunehmen und sich des eigenen Glücks bewußt zu werden, alle Zeit der Welt zu haben, nirgendwohin eilen zu müssen und sich erfreut wundern zu können, wie viele sich hier doch die Zeit nehmen, Dich mit einem Lächeln zu grüßen, bevor sie ihre Blicke wieder einem ferneren Ziel zuwenden.
Gegen Abend machten wir us dann auf die Suche nach einer neuen Unterkunft für die nächsten Tage. Wir hatten gehofft, irgendwo für die Unterkunft ein paar Stunden beim Putzen helfen zu können, wie das hier und da immer mal wieder angeboten wurde, um unsere Kasse ein wenig zu schonen, aber es wurde Winter in Melbourne und die Stadt war überfüllt mit arbeitssuchenden Workingtravelern. Dafür fanden wir aber ein anderes, sehr günstiges Hostel! Diesmal über einem englischen Pub, mit noch dünneren Wänden. Das Hostel war erst ganze fünf Wochen alt, aber das Wort Sauberkeit war wohl noch nicht mit eingezogen. Stellt euch einfach eine WG-Dauer- Party mit durchschnittlich 60 Gästen vor. Zum Glück war das Wetter trotz zunehmender Kälte meist sonnig und machte es uns leicht jeden Morgen das Haus zu verlassen und erst am späten Abend wieder zu betreten.
Die Stadt steckt voller Gemütlichkeit. Sie erscheint wie ein einziges, riesiges Kunstwerk. Überall in der Stadt findet man kleine, charakteristische Kunstwerke in die städtische Landschaft eingebaut, überall stehen Skulpturen, Springbrunnen, architektonisch interessante Brücken, Plätze, Sitzgelegenheiten, oder auch einfach nur ein leuchtendes Sektglas auf dem Bordstein vor dem Musicaltheater. Wirklich eine Stadt zum Leben und Wohlfühlen, mit unzähligen Cafes für wirklich jeden Geschmack, mit scmalen Gassen, vielen, kleinen Kunstgalerien und Musik überall. So hatten wir denn auch das Glück auf das Melbourner Jazzfestival zu treffen und saßen jeden Tag zwischen vielen anderen Mittags und am späteren Nachmittag ein Stündchen auf dem Federal Square und lauschten den unzähligen Bands, die dort spielten. Die Vormittage verbrachten wir nur allzugern mit kleinen einkäufen auf dem Queen Victoria Market, wo es frisches Obst und Gemüse in Hülle und Fülle, neben Käse aller Art, richtigem, guten Brot!!! leckeren Kuchen, den verschiedensten Brotaufstrichen, Gewürzen, Fisch, Wurst, und allen unerdenklichen Schokoladensorten zu erwerben gab, daß wir bald gar nicht mehr recht gewußt hätten, wer das alles hätte essen sollen, wenn wir es wirklich gekauft hätten...
Eine Stadt zum rundum wohlfühlen!
Nur etwas kalt wurde es mit der Zeit, nicht umsonst ist dort ja jetzt Winter und deshalb viele es uns dann doch nicht so schwer eine Woche später wieder ins Flugzeug zu steigen, um nach Alice Springs zu fliegen.
Mittwoch, 27. Mai 2009
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