Kurz darauf ist der Gehweg vergessen und beide sitzen da, mit Buntstiften in der Hand und pinseln munter drauf los, nicht ohne sich gegenseitig genauestens über den Inhalt ihrer Bilder zu unterrichten.
Plötzlich halten sie gleichzeitig inne.
Sie lauschen angestrengt, wie draußen jemand die Stufen heraufgestapft kommt, wie ein Schlüssel ins Schloss gesteckt wird, wie sich die Haustür öffnet, wie hastig Taschen abgestellt werden, wie lauten Tones der Name der einen gerufen wird und schließlich das Unvermeidliche passiert und hastig die Kinderzimmertür auffliegt.
Eine der Beiden sollte nicht hier sein. Wie oft hatte die Mutter gemahnt, niemanden mit nach Hause zu bringen, wenn sie selbst nicht da sei und doch hatte sie sich überreden lassen und die Freundin nach der Schule mit zu sich genommen.
In beiden Kinderköpfen fing es plötzlich an wie wild zu arbeiten, um eine überzeugende Argumentation aufzubauen, warum das jetzt alles eigentlich überhaupt gar nicht so schlimm sei und daß es ganz bestimmt auch nicht wieder vorkäme und überhaupt und so. Ja, vor allen Dingen überhaupt und so, denn so wirklich viel mehr fiel ihnen auf die Schnelle nicht ein.
Aber die Mutter ließ sie gar nicht zu Wort kommen. Aufgeregt wie sie war, drückte sie gleich allen beiden Kindern einen Zehnmarkschein in die Hand und schickte sie eilig und nervös in die Kaufhalle und daß sie sich ja beeilen.
Erst, als sie erleichterten Herzens ihre ganze Anspannung und Furcht aus sich herausgelacht hatten und sich in die lange Reihe der Wartenden einreihten, verstanden sie, daß die ganze Aufregung der Mutter gar nichts mit ihnen zu tun hatte. Ja daß sie vor lauter Aufregung wahrscheinlich noch nicht einmal gemerkt hatte, was die beiden angestellt hatten, sondern daß alle Nevosität sich ausschließlich auf die Bananen bezog, die es heute zu kaufen gab.
Nicht mehr als vier Stück pro Person, so die Regel.
Als sie zwei Stunden später mit ihrer stolzen Beute heim kamen, hätte sie keine Mutter der Welt mehr auf die längst vergessenen, verbotenen Malabenteuer zu erinnern gewagt.
Zwölf Bananen! Was für ein Tag!
20 Jahre später stehen die selben Mädchen im tropischen Norden Australiens und rücken unzähligen Bananenbäumen mit der Machete zu Leibe. In jeder Pause verdrücken sie mindestens zwei bis drei der gelben exotischen Früchte und einmal wöchentlich werden sie verpackt. Kiloweise wandern sie in unzählige Kisten und diese durch die ganze Welt.
Die Zeiten haben sich geändert.
Hi Claudia,
AntwortenLöschendu schreibst wirklich toll - auch wenn nicht jedes Kapitel so ganz aktuell sein mag ;-) nein, bitte unbedingt mehr davon, liegt dir sehr!
Ich hoffe bei euch ist alles bestens, mit oder ohne unreife Bananen - weiterhin eine schöne Reise, ihr seid ohnehin nur zu beneiden, denn der hiesige Sommer grenzt eher an Betrug, sicher kälter als bei euch....
Beste Grüße, t.