Das Hostel in dem wir vorangehende und nachfolgende Nacht verbrachten war jedenfalls sehr lobenswert! Das muß hier einfach mal gesagt werden, denn vielleicht ist es nicht für jeden ganz verständlich wie wichtig soetwas werden kann. Seit fast vier Monaten verbringen wir selten mehr als zwei, oft sogar nur eine einzige Nacht am gleichen Ort. Vieles ist annehmbar, manches sogar recht schön, aber überall fehlt auch etwas zur gänzlichen Zufriedenheit. Da ist das Zimmer zu vollgestopft und klein, dort sind die Betten wackelig und quietschen, beim wieder nächsten sind die Matratzen hoffnungslos durchgelegen und man hat das Gefühl die kleinen, fiesen Federn winden sich bis direkt in die Knochen, oder es gibt überhaupt erst gar keine Federn und man ist noch froh, wenn ein gerades Brett die Schaumstoffmatratze hält und nicht ein paar verloren wirkende Eisenstangen. Anderswo wiederum ist die Küche zu klein für zu viele Gäste, oder miserabel ausgestattet, so daß man den Tee aus Müslischüsseln trinkt und Spaghetti mit Messern ißt und stundenlang den Reis über einer viel zu kleinen Flamme kocht, während das Gemüse schon lange wieder kalt geworden ist, weil es nur eine einzige Kochplatte gibt, die man überhaupt mit viel gutem Zureden dazu bringen konnte, uns ihre spärliche Wärme zu spenden. Und an manchen Orten wird man schlicht und einfach mit jedem der beständigen Baßpulse aus dem direkt darunter liegenden Pub aus der Matratze gehoben.
Und nach all solchen Erlebnissen ist es unheimlich angenehm, wenn man zur Abwechslung einmal von einer freundlich, ruhigen Person begrüßt und eingewiesen wird und dann über den sauberen Hinterhof über eine kleine Holztreppe zu einer gemütlichen Wohnung geführt wird in dessen Zimmern jeweils so zwei bis vier Betten stehen, die frisch gemacht und sehr bequem sind und alles eigentlich fast so wirkt, als würde man nach Hause kommen. Die helle Küche ist mit Parkettboden ausgestattet, die gemütliche kleine Sofaecke mit stilvollen Bildern und einer beachtlichen Sammlung anspruchsvoller DVD's und selbst das Bad ist sauber, hell, geräumig und alles einfach ganz wunderbar. Und das Ganze auch noch zu einem sehr freundlichen Preis. Es hat sich den Namen „The Friendly“ wirklich redlich verdient.
Am Abend habe ich mit dem kostenlos geliehenen Rad noch einen kleinen Abstecher zum Strand gemacht, bis bereits gegen 17 Uhr 30 die Sonne unterging und mich zum Umkehren zwang und dann ging es am folgenden Morgen endlich los.
Drei riesige Busse zogen am frühen Morgen gleichzeitig durch den kleinen Ort, trafen sich am Hafen und verschifften sämtliche Passagiere auf die Fähre, die uns zur Insel brachte. Von dort aus wurden wir wieder auf Busse verteilt. Diemal waren es vier robuste Geländebusse mit Allradantrieb, denn die dortigen Straßen bestanden, wie die gesamte Insel vorwiegend aus Sand.
Sand blieb dann auch das Motto der folgenden zwei Tage.
Über sandige Straßen ging es direkt an den Strand, der dort in erster Linie als Hauptstraße fungierte, und weiter zu unserem ersten Ziel. Eifrig wateten 40 Touristen die sandigen Wege entlang, hinauf auf eine riesige Sanddüne, hinter der sich ein tiefgrüner See versteckte. Doch kurz bevor sich die ersten Übermütigen die verlockend steile Düne hinunter und direkt in den See stürzen konnten, wurde uns leider genau das verboten. Der Busfahrer hatte wohl (völlig unverständlicherweise) keine Lust 20 Leute mit an Steinen, die sich angeblich hinterlistig direkt unter der Wasseroberfläche versteckten, eingerannten Köpfen aus dem Wasser zu zerren und über die sandigen Wege zurück zum Bus zu schleppen. Vielleicht aber wollte er auch einfach nur ein paar möglichen Herzattacken vorbeugen, denn das Wasser war für von Nordaustralien verwöhnte Seelen unerwartet kalt. Hinzu kam, daß das Wetter ausnahmsweise mal nicht ganz unserem Seelenzustand entsprach und sich dicke Wolken vor die Sonne geschoben hatten. Auf Sandwegen ging es zurück zum Bus und weiter zum Mittagessen und von dort aus direkt zum nächsten See, dem berühmten Lake Macanzie.
Hier war einfach alles total toll. Der Sand ist so weiß, daß sogar Franziska stolz feststellen konnte, daß sie gut gebräunt mehr Farbe bekommen hat, als der Sand. Ich könnte daneben glatt als halber Aboriginie durchgehen. Ich konnte mich natürlich nicht zurückhalten und bin trotz zurückhaltender Sonne bald im Wasser untergetaucht. So klar, so farblos, so wunderschön. Das weiß des Sandes ging langsam in hellstes türkis über, bis es in der Mitte des Sees tiefstes, klarstes, sauberstes Schwarz wurde. So entschlossene Klarheit ist mir noch nie begegnet. Es war ein wunderbares Gefühl, sich darin so frei bewegen und baden zu können.
Der Busfahrer hatte versprochen, daß die Kräfte des Sees gesundend und verjüngend wirken würden. Als er mich danach fragte, ob ich baden gewesen sei und ich bejahte, fragte er, ob mich das jetzt so zwölf Jahre jung machen würde. Es hatte also ganz eindeutig schon begonnen zu wirken.
Da es hier ja zur Zeit leider schon gegen sechs Uhr dunkel ist, blieb nur noch Zeit für einen kurzen Spaziergang, entlang des stillen Baches, der so genannt wird, weil er keine Geräusche verursacht, was wiederum daran liegt, daß keine lauten Steine im Weg rum liegen, er nämlich ausschließlich über Sand dahingleitet. Außer still war er auch wieder so glasklar, daß ich ihn kaum wahrgenommen hätte, wenn nicht gerade diese Unscheinbarkeit so anziehend auf mich gewirkt hätte. Ach ja, und wenn nicht 39 andere Menschen mit ihren Kameras überall neben mir aufgetaucht wären.
Den nächsten Morgen begann ich mit einer Runde Tennis. Es gab auf der Anlage einen Tennisplatz und ich hatte tatsächlich einen Mitreisenden erfolgreich überzeugen können morgens um 7 Uhr mit mir eine Runde kleinen gelbgrünen Bällen hinterher zu rennen. Während ich mich mühsam aus dem Bett quälte, um vorher noch einen kleinen Happen zu essen, hatte er schon Zeit gehabt sich auf einer Runde Strandjoggen den Kopf darüber zu zerbrechen, ob ich eventuell einem Tennisclub angehören würde, worin ich ihn aber nach wenigen Bällen erfolgreich vom Gegenteil überzeugen konnte. Nach einem zweiten, augiebigeren Frühstück ging es auf und entlang dem Strandhighway bis zum bitteren Ende. Wo genau das war, blieb bis zum Schluß sehr spannend, denn es war gerade Flut und von meinem Copilotensitz, den ich glücklicherweise zugewiesen bekommen hatte, sah ich, was andere vielleicht ganz froh waren nicht so genau mit zu bekommen. Das Wasser kam näher und näher und hin und wieder mußten wir den herannahenden Wellen kampflos die Vorfahrt lassen. Manchmal auch anderen Autos, die ich dann beobachten konnte, wie sie sich hin und her und auf und ab über die Sandpisten schüttelten, aber auch der Bus schaffte es immer wieder weiter und so kamen wir nach einem Zwischenstop an einem kleinen, klaren und erstaunlich warmen Bach an einem tollen Aussichtspunkt heraus, dessen Name mir leider schon wieder entfallen ist.
Hier hilft wirklich nichts, als einfach Bilder sprechen zu lassen:
Der immer häufiger und stärker werdende Regen machte es leider zunehmend schwerer, die folgenden Ausflugspunkte zu genießen. Unter Regenjacken besuchten wir kleine Natursteinpools, in die das Meer wellenweise Schaum hineinspülte, die Champagnepools genannt, auf dessen Badeerlebnis ich dann aber zitternd vor Kälte großzügig verzichtete und mit Trotz und heimlicher Entäuschung feststellen mußte, daß es Menschen gab, diemeine eigene Badefreude noch übertrafen allem Wetter zum Trotz munter in ihre Badehosen und von dort beherzt ins Wasser sprangen.
Auf dem langen Rückweg fuhren wir an den verschiedensten Farben des Sandes vorbei. Leider war es nasser Sand, denn mittlerweile regnete es in Strömen.
Aber wie ich glücklicherweise feststellen konnte, war diese sandige Farbenpracht nur ein kleiner Vorgeschmack zum Rainbow Beach, an dem wir den nächsten Nachmittag verbrachten und über dem zu allem farbigen Übermut auch noch ein prächtiger Regenbogen auftauchte und uns bis in die frühen Abendstunden Gesellschaft leistete.
Aber das war ja schon wieder am nächsten Tag, nach der Fahrt zurück zur Fähre, die uns zurück zu den 3 riesigen Bussen brachte, welche wiederum durch die kleine Stadt streifend sämtliche Touristen in ihre Unterkünfte zurück brachten und frisch geknüpfte Freundschaften mit nichts als email Adressen zurückließen.
Und auch wenn mich die Gruppengröße aus der man sich nicht entziehen kann, unweigerlich an die Zeit in NZ und der heiß geliebten Kiwi-Experience erinnerte, so war es doch ein schönes, vielseitiges und gesellschaftlich absolut positives Erlebnis.
Montag, 13. Juli 2009
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