Freitag, 3. Juli 2009

Magnetic Island

Windspiele klimpern verspielt vor sich hin, die träge Nachmittagssonne blinzelt durch Palmenblätter, ein frischsanftes Lüftchen aus den nahen Hügeln auf dem Weg zum Meer streicht mir warm um die Nase, ganz fern hört man das eine, oder andere Auto vorbeituckern, Franziska döst in der Hängematte vor sich hin und die einzige Aufgabe des Tages liegt darin, das Abendessen zuzubereiten.
Ich wage es ja kaum zu sagen, aber auch das kann wwoofen sein.
 

Nachdem wir uns heimlich schon damit abgefunden hatte, nun erstmal ein wenig Urlaub zu machen und weiter im Süden des Landes nocheinmal unser Glück mit der Arbeit versuchen wollten, wurden wir ganz unversehens von einer kleinen Insel, nur etwa acht Kilometer vor Townsville wie magisch angezogen. Vielleicht ging es auch schon anderen vor uns ganz ähnlich und diese geheimnisvolle Anziehungskraft hat der Insel ihren Namen, Magnetic Island, gegeben.
 

Hier sitzen wir nun im Garten einer herzlichen, lieben alten Dame, der man ihre 80 Jahre nur schwer abnimmt. Sie hat nur sehr selten Wwoofer und genießt diese Gesellschaft ganz offensichtlich. Sie behandelt uns viel eher wie einen seltenen Besuch und es ist ehrlich gesagt gar nicht so einfach ihr ernsthafte Arbeit zu entlocken. Sobald wir es aber geschafft haben und mit vollem Elan Bananenbäume aus dem Hintergarten sägen, oder ein wenig das Gras bürsten, oder gar ein paar Ingwerpflanzen ausgraben, um an die kostbaren Wurzeln zu kommen, kommt sie alle halbe Stunde hinaus, um uns zu fragen, ob wir nicht bald mal eine Pause machen wollen und eine Tasse Tee trinken, und daß wir uns bitte auf keinen Fall überarbeiten sollen.
Unser beider Immunsystem, wie alles andere scheint auch dieses sich im Verlauf der vergangenen Monate synchronisiert zu haben, hat sich dann auch gleich für uns mit gefreut und ist ebenfalls ein bißchen auf Tauchurlaub gegangen. Und so sitzen wir nun schniefend und krächzend herum und schaffen es nicht einmal mehr, die einfachsten Arbeiten zu erledigen. Das heißt, wohl würden wir sie tätigen, wenn wir nicht von der ehemaligen Krankenschwester strengstens davon abgehalten würden. Nun könnte das alles ja ganz toll und entspannend sein, wenn sich nicht irgendwo in der Ferne ein durchaus noch vorhandenes schlechtes Gewissen regen würde und mir jeden Tag deutlicher klar macht, daß diese dekadente Faulheit wirklich nicht die feine Art ist. Aber was soll ich tun? Nachdem ich heute zum dritten Mal zu ihr kam, um wenigstens ein klein wenig Arbeit zu erbetteln, war alles, was ich heraushandeln konnte, die Zubereitung des Abendessens.
Unsere wichtigste Aufgabe aber, die sie uns auch problemlos zutraut, scheint das Zuhören zu sein. Und so sitzen wir gern stundenlang auf der gemütlichen Terasse und lauschen ihren endlosen, aber nie langweiligen Erzählungen und lernen dabei eine Menge. Allem voran natürlich, wie ungefährlich die hier auf der Insel hausenden Tiere eigentlich sind. Haifische sind im Grunde überhaupt nicht an Menschenfleisch interessiert, das ist ihnen eh zu groß und sperrig, weshalb sie sich auch nur äußerst selten in Strandnähe verirren. Der Steinfisch, der hin und wieder mal, auch eher aus Versehen, ein Bein, oder Arm abbeißt, mag ebenfalls lieber tieferes Wasser. Die tödlichen Kastenquallen schwimmen nur zwischen Februar und Mai hier herum und sind deshalb im Moment überhaupt keine Gefahr. Von den zehn verschiedenen Schlangenarten auf der Insel ist eigentlich nur eine wirklich giftig und diese ist wohl auch eine besonders faule Artgenossin, die sich nur wehrt, wenn man versehentlich drauftritt, aber im sonstigen Allgemeinen recht wenig Interesse am Menschen zeigt, die Wasserschlangen sind nur im Oberkiefer giftig und damit auch vollkommen ungefährlich. Völlig logischerweise! Ach, und die Krokodile, das ist eine andere Sache... Die sind natürlich schon schnell und tödlich und so, aber auch eigentlich nur, wenn sei Hunger haben und selbst dann vergnügen sie sich viel lieber an kleinerem Getier, wie Hunden, oder Kindern, die sind nämlich leichter zu zerteilen. Also, auch da herrscht überhaupt keine Gefahr. Na dann, worauf warten wir noch? Ab ins Wasser!
 

Vorgestern waren wir ein wenig die Insel erkunden und haben drei wunderschöne, fast unberührte Strände gefunden. Wir haben mutig unsere Badeanzüge angezogen und sind noch mutiger, wenn auch schon langsamer in das verlockend klarblaue, angenehm erfrischende Wasser gewatet. Am ersten Strand haben wir es bis zu den Fußknöcheln geschafft, am zweiten, bis zu den Knien und am dritten sogar bis zur Nasenspitze. Aber nur ganz kurz, bevor uns die unheimliche Ungewissheit doch immer wieder in erstaunlichem Tempo an der Strand zurück beförderte. Aber wenn wir wieder gesund sind, starten wir auf jeden Fall noch einen zweiten Versuch. Ganz bestimmt!
 
Posted by Picasa

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