Dienstag, 1. September 2009

Am Baikalsee

Dann ging es auf zum Baikalsee! Uns bestand eine sechstägige Wanderung entlang des Ostufers bevor. Mit uns kamen zwei rückenkräftige Guides, ein russisches Pärchen aus dem Hostel, die uns nicht nur den Weg wiesen, sondern auch das Essen für die gesamte Zeit trugen und, was noch viel besser war, auch kochten. Eigentlich hatten wir nur für einen bezahlt, aber das seit etwa einem Jahr frisch verliebte Päärchen, war so begeistert, von ihrer Idee, uns gemeinsam zu begleiten, daß wir das Angebot schwerlich ablehnen konnten. So zogen wir denn nach einer gemütlichen Autofahrt zum See los und das Bild von zwei großen, schwankenden Rucksäcken vor denen sich zwei mal munter diskutierende, mal scheinbar mit schweren Vorwürfen bewerfende Menschen verbargen, änderte sich während der folgenden Tage nur noch in Ausnahmefällen. Das Einzige, was sich immer wieder recht schnell änderte, war der Abstand, denn trotz ihres Gepäckes, schienen sie mit den für uns vorgesehenen durchschnittlichen 18 km am Tag hoffnungslos unterfordert zu sein.
 

Für mich aber, war es zumindest an zwei der Tagen, die leider auch noch die längsten waren, ganz gut, daß uns nicht längere Strecken bevor standen. Nach dem ersten Abend mit einem Feuerchen am See, begann es über Nacht in meinem Magen ein wenig zu rumpeln und pumpeln und am Morgen schon hatte ich keine so rechte Lust aufzustehen.
 

Es folgten zwei Tage zunehmender Übelkeit, an denen ich mich am liebsten den ganzen Tag über im Zelt verkrochen hätte, stattdesen aber den munter wackelnden Rucksäcken hinterher stolperte, die nun auch noch den Großteil meines Gepäcks bei sich aufgeladen hatten. Das Wetter hatte sich mal wieder perfekt der Stimmung angepasst und es regnete die meiste Zeit, so daß wir trotz Regenkleidung bald völlig durchnässt waren.
 

Das abendliche Feuer und das mit der nie versiegenden Energie der Beiden zubereitete leckere Essen, brachte dann aber glücklicherweise immer wieder die nötige Wärme und Trockenheit, die uns ruhig und selig in unsere Schlafsäcke sinken ließ. Und mit dem sich bessernden Magen, verzogen sich auch die Wolken und die letzten beiden Tage, die wir dann allerdings leider größtenteils im Auto verbrachten, strahlte die Sonne aus einem klaren, hellblauen Himmel, der gegen Abend die Farbe des glitzernden, eiskalten, klaren Sees annahm, der uns die ganze Zeit auf unserer Wanderung begleitet hatte.
 

Am letzten Tag gab es noch eine ganz besondere Überraschung, wir stiegen unter der Begleitung eines dritten Guides, der auch das Auto mitgebracht hatte, in eine Höhle hinab, die sich dort scheinbar überall unter der Erde ausbreiten. In Rundumschutzmantel gewickelt und mit einem gelben Helm auf dem Kopf, zwängten wir uns durch eine winzige Felsspalte und standen vor einem dunklen Gang, dem wir entschlossen folgten. Durch weitere, endlose Gänge, zwischen engen Spalten hindurch, die manchmal nicht größer waren, als unbedingt nötig war, um nicht hängen zu bleiben, über tiefe Abgründe, gelangten wir immer weiter ins Innere des Berges. Ich hatte mich schon lang der absoluten Obhut meiner Begleiter übergeben, hätte niemals allein den Weg zurück gefunden. Es wurde immer kälter und tatsächlich stand ich plötzlich umgeben von schimmerndem Eis, das an den Wänden kristallisierte. An manchen Orten hatten sich Eiszapfen gebildet, an anderen hauchdünne Eiswände, die von der Decke hingen. An einer Stelle rutschten wir über eine dicke Eisschicht bergab, die sich am Boden gebildet hatte, und während ich noch überlegte, wie wir da bitte wieder zurückkommen sollten, krochen wir schon durch nicht enden wollende, schmale Gänge, die einen sehr zur Abnehmkur ermutigten, quertunnelein und die Frage wurde von dem schieren Kampf mit meinen nicht gerade stolzen Armkräften um zentimeterweises Vorarbeiten abgelöst. Glücklicherweise standen wir danach wieder an der selben Stelle, an der die Rutschpartie begonnen hatte, ich hatte also schon mal eine Sorge weniger. Die Tunneltortour war aber offensichtlich noch nicht zu Ende, zumindest fanden sich immer noch weitere sehr ähnliche Gebilde, die mir sehr ans Herz legten, mich doch nach meiner Rückkehr ein wenig mit meiner Armmuskulatur zu beschäftigen. Völlig erschöpft näherten wir uns dem Ausgang und das letzte Hindernis musste mich die Kraft anderer Arme herausziehen, da meine eigenen zu nichts mehr in der Lage waren. Aber ich war wieder draußen. Ein sanftes Lüftchen umwehte mein Gesicht, während die letzten Strahlen der Abendsonne die Hügel und den nahen See in ein warmes, leuchtendes Rot tauchten. Alles war gut.
So wenig mich auch die erdige Nähe ängstigt, so schön ist es dennoch, wieder nach draußen an die frische Luft zu kommen und den Blick über die sibirische, oder gern auch jegliche andere Weite schweifen lassen zu können.
 

 

 

 

 

 

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