Rotblauer Abendhimmel geleitete uns auf unserem gänzlich unkomplizierten Weg zu unserer Bleibe, diese wiederum empfing uns freundlich und mit sympatisch eingerichteten Zimmern. Kein Problem, sich hier für fünf Tage häuslich einzurichten.
Aber ach, am folgenden Morgen hatten uns die Wolken aus Moskau bereits wieder eingeholt. Das gleiche hämische Grinsen, ich habs sofort wiedererkannt und bin auf der Stelle wieder eingeschlafen!
Irgendwann ließen sich aber weder Hunger noch fortschreitende Tageszeit durch eine dünne Bettdecke davon abhalten, gewissenhaft auf mich einzureden und schafften es schließlich, mich zum Aufstehen zu bewegen.
Und endlich draußen an der frischen Luft, konnte mich selbst die dicke Wolkenwand nicht mehr von meiner Begeisterung über diese wunderschöne Stadt abhalten.
Der Eindruck verstärkte sich noch, als während der folgenden drei Tage unablässig die Sonne schien.
Sämtliche Zwiebeltürme, die an jeder Ecke hervorblitzten, strahlten in ihren golden und bunten Bemalungen, die unzähligen, stilvoll renovierten Jugendstilhäuser, die alle Straßen der Innenstadt säumten, spiegelten sich stolz und erhaben in den zahlreichen, kleinen und größeren Kanälen, welche das Stadtbild prägen und dann stehen mitten in der Innenstadt regelrecht aneinandergereiht, wie bei uns die Modegeschäfte, Kirche an Katedrale an Palast an Triumpfbogen, ein nicht endenwollender Zug an Erhabenheit und Größe.
Ähnlich ging es dann auch in den Palästen selbst zu. Saal an Saal drängten sich im Sommerpalast Ekaterinas die reichsten Dekorationen aus vergangenen Jahrhunderten und mündeten schließlich alle in das eine, unvergleichliche, in das Bernsteinzimmer. Das warme, matte Leuchten, welches von den rotgelben und reich verzierten Wänden ausging, zog mich unwillkürlich in seinen Bann und ich stand lange, still betrachtend, ließ mich von den unablässigen Strömen anderer Touristen mal in die eine, mal in die andere Ecke des Raumes und schließlich weiter durch die anderen Zimmer wieder hinaus in den Park treiben. Aber keines schaffte es mehr nach diesem Einen, mich wirklich zu begeistern.
Im Park selbst war es eher lustig, sich die überaus originalgetreuen Nachbildungen eines türkischen Bades, eines chinesischen Pavillions und krönend über allem, eine als Ruine fertiggestellte „Burg“ anzuschauen; wirklich unübertrefflich gut getroffen!
Noch reicher angefüllt, mit Kunstwerken regelrecht tapeziert und bis in die entferntesten Winkel mit Skulptuern und Erinnerungsstücken an vergangene Größen Russlands und der Welt angehäuft waren die zahlreichen Säle, Kammern und Flure der Hermitage, des kaiserlichen Winterpalastes und in den knappen vier Stunden, die wir unseren Köpfen zumuteten, war es mir nicht möglich auch nur ein Viertel der Ausstellungsstücke entsprechend zu würdigen. So war es trotz all meiner Wertschätzung den bildenden Künsten gegenüber eine Erleichterung, danach wieder in die leichte, fröhliche Gegenwart des von der Abendsonne beschienen Petersburgs zu treten und das unbeschwerte Getummel der Stadt an sich vorüberrauschen zu lassen.
Montag, 14. September 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)








Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen